Weniger schwere Handicaps im Alltag

Die Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit steigt, vor allem in höheren Altersgruppen. Das geht aus dem neuen Bericht „Gesundheit in Deutschland“ hervor, den das Bundesgesundheitsministerium und das Robert Koch-Institut (RKI) kürzlich vorstellten. Nach den Berichten von 1998 und 2006 liegt damit zum dritten Mal eine umfassende Darstellung des Gesundheitszustandes und Gesundheitsverhaltens der Deutschen und ihrer medizinischen Versorgung vor. 

Dem aktuellen Report zufolge schätzen mehr als die Hälfte der Frauen und Männer ab 65 Jahren ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Im Vergleich zu den beiden früheren Erhebungen hat sich die subjektive Gesundheit stetig verbessert – auch wenn ältere Menschen nach wie vor häufig unter chronischen Erkrankungen leiden.

Zu schaffen machen den Älteren vor allem Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und chronische Lungenleiden sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen und Diabetes. Insbesondere bei Männern im höheren Lebensalter steige die Suizidrate an, heißt es in dem Bericht, der auch darauf hinweist, dass depressive Symptome gerade bei betagten Menschen oft übersehen werden. Etwa ein Drittel der über 65-Jährigen nimmt dem Report zufolge täglich mindestens fünf Arzneimittel gleichzeitig ein – und ist damit einer erhöhten Gefahr von unerwünschten Neben- und Wechselwirkungen ausgesetzt.

Leichte Einbußen nehmen zu

Im Vergleich zu früheren Jahren, so der Gesundheitsbericht, gehen schwerwiegende Einschränkungen im Alltag zurück. Leichte Einbußen nehmen demnach jedoch zu. „Zum Glück haben viele Menschen inzwischen gelernt, mit ihren chronischen Krankheiten zu leben“, sagt Judith Fuchs, wissenschaftliche Mitarbeiterin am RKI mit dem Themenschwerpunkt „Gesundheit im Alter“.

Ausgeschöpft seien die Möglichkeiten zur Kompensation von Defiziten aber noch längst nicht, betont Fuchs. Gerade beim altersgerechten Wohnen und bei technischen Unterstützungssystemen sei der Bedarf nach wie vor groß.

Viele Senioren wollen selbst etwas für ihre Gesundheit tun. So hat die sportliche Aktivität gerade bei älteren Erwachsener seit Ende der 1990er-Jahre deutlich zugenommen, wie aus dem Gesundheitsbericht hervorgeht. Allerdings werde das von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Aktivitätsniveau von 2,5 Stunden pro Woche längst nicht von allen erreicht. Vergleichsweise wenig Sport treiben dem Bericht zufolge Erwachsene mit niedrigem sozioökonomischen Status.

Mit Prävention gegen Demenz?

Prävention lohnt sich, vielleicht sogar mit Blick auf die gefürchtete Demenz. So liefern einige Studien aus dem westlichen Ausland Hinweise darauf, dass die Erkrankungsraten in bestimmten Altersgruppen abnehmen. Diese Entwicklung könnte auf eine insgesamt höhere Bildung, ein besseres Gesundheitsverhalten und auf den Rückgang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen sein.

Um die vorhandenen Potenziale im höheren Alter auszuschöpfen, seien mehr zielgruppengerechte Gesundheits- und Präventionsangebote nötig, heißt es im Bericht „Gesundheit in Deutschland“. Die Forderung steht im Einklang mit dem seit 2012 gültigen nationalen Gesundheitsziel „Gesund älter werden“, das bereits zu einer Reihe von Projekten geführt hat. Auch am RKI sei das Thema mit dem Schwerpunkt „Healthy Ageing“ stärker in den Fokus gerückt, berichtet Judith Fuchs.

Angesichts der demografischen Alterung haben solche Initiativen große Bedeutung. In den letzten Jahrzehnten sei die Lebenserwartung kontinuierlich gestiegen, meldet der aktuelle Gesundheitsbericht. Heute geborene Mädchen können demnach im Mittel mit einer Lebenserwartung von 82,7 Jahren und Jungen mit 77,7 Lebensjahren rechnen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen.

Wie die Welt altert

Es handelt sich um einen globalen Trend: Überall werde die Zahl älterer Menschen stark zunehmen, prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem jüngst erschienen World Report on Ageing and Health. Bereits heute, so der Bericht, nimmt die Lebenserwartung selbst in den ärmsten Ländern deutlich zu. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Anzahl derjenigen verdoppeln, die 60 Jahre und älter werden. „Doch das kann uns nicht genügen“, sagte die WHO-Direktorin Margaret Chan: „Wir müssen auch dafür sorgen, dass die zusätzlichen Jahre sinnvoll und in guter Gesundheit verbracht werden können.“

Im internationalen Durchschnitt seien die älteren Menschen heute nicht gesünder als die Generationen vor ihnen. „Noch ist 70 leider nicht überall das neue 60“, sagte John Beard von der WHO bei der Vorstellung des Berichts und fügte hinzu: „Aber so könnte und sollte es in Zukunft sein.“

 

von Lilo Berg

 

Literatur:

Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2015): Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. RKI, Berlin:

Böhm, K., C. Tesch-Römer, T. Ziese: Gesundheit und Krankheit im Alter (2009): in: Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes.

World Health Organization: World Report on Ageing and Health (2015).

 

Foto Startseite:  m.a.r.c. 2015 via Flickr https://flic.kr/p/qZ3kzB CC BY-SA 2.0