Schwedische Studie untersucht Faktoren für Lebenszufriedenheit im Alter

Durch die Analyse wissenschaftlicher Publikationen versuchte ein Forscher-Team der schwedischen Örebro Universität die Faktoren zu ermitteln, die zu einer hohen Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden im Alter beitragen. Ein wesentliches Fazit der Wissenschaftler lautet: Es gibt zu wenig Studien, die die Thematik mit Methoden der qualitativen Sozialforschung untersuchen.

Das Team um Projektleiterin Annica Kihlgren grenzt sich in der Studie von Auffassungen ab, die den Prozess des Alterns als Funktionsverlust charakterisieren. Ziel der Studie war es vielmehr, das Konzept einer „bestmöglichen Funktionalität im hohen Alter“ zu untersuchen – und zwar aus der Perspektive von Personen in westlichen Industrieländern, die älter als 65 Jahre sind. Dazu fahndeten die Forscher zunächst in zwei elektronischen Datenbanken („PubMed“ und „Cumulative Index to Nursing and Allied Health Literature“ – CINAHL) nach wissenschaftlichen Aufsätzen zur Thematik, die im Zeitraum von 2002 bis 2013 publiziert wurden und das Schlüsselwort „persönliche Zufriedenheit“ enthielten.

Unter den identifizierten 25 Publikationen fanden die Forscher lediglich sechs Studien, die auf Methoden der qualitativen Sozialforschung beruhten. Diese Arbeiten wurden eingehender analysiert. Die dabei erzielten Resultate ordnete das Team drei als Eckpfeilern bezeichneten Kategorien zu: Faktoren, die sich auf das eigene Selbst beziehen, sowie körperliche und externe Faktoren.

Psychisches Wohlbefinden spielt Schlüsselrolle

By Candida Performa (It's all about love) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

By Candida Performa (It's all about love) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Bei den auf das eigene Selbst bezogenen Faktoren spielt das psychische Wohlbefinden eine Schlüsselrolle. Insgesamt erkannten die Forscher in der psychischen Gesundheit, in der Anwendung problemorientierter Lösungsstrategien und in der Anpassungsfähigkeit die wesentlichen Gesichtspunkte, die einer hohen Lebenszufriedenheit im Alter zuträglich sind. Sie betonen, dass vor allem depressive Symptome die Lebenszufriedenheit mindern.

So sei allein schon die Abwesenheit von Depressionen ein wichtiger Faktor für die persönliche Zufriedenheit. Daneben mindern allgemein auch Sorgen, psychische Anspannung sowie Angsterfahrungen und Angstgefühle das Wohlbefinden. Mit der Lebenszufriedenheit positiv korreliert sind dagegen extrovertierte Charaktereigenschaften und eine möglichst schwach ausgeprägte Neigung zu Neurosen.

Die Anwendung problemorientierter Bewältigungs- oder Lösungsstrategien für Situationen, die früher bereits als anstrengend, stressbehaftet oder problematisch empfunden wurden, werten die Forscher als Zeichen für das Leistungsvermögen älterer Individuen und stellen eine positive Wirkung auf das persönliche Wohlbefinden fest. Der Zufriedenheit zuträglich sind in diesem Kontext in früheren Lebensabschnitten individuell erbrachte Leistungen und erworbene Fertigkeiten. Auch Spiritualität oder Religiosität können zum Wohlbefinden beitragen.

Gesteigert wird die Zufriedenheit älterer Menschen durch eine positive Einstellung gegenüber den gegenwärtigen Lebensumständen und dem Willen, sich an diese anzupassen. Konkret zeigt sich die Anpassungsfähigkeit auch in Um- und Neubewertungen der Lebensumstände, beispielsweise in gesteigerter Freude an „kleinen Dingen“ oder in der Fokussierung auf positive Ereignisse.

Soziales Netzwerk steigert Zufriedenheit

Bildrechte: ADFC Jens LehmkühlerBei den körperlichen Faktoren wirken sich Aktivität und Unabhängigkeit im alltäglichen Leben positiv aus. Nicht nur auf den körperlichen und geistigen Gesundheitszustand, sondern auch auf die Lebenszufriedenheit hat körperliche Aktivität einen positiven Einfluss. Bei den Krankheiten und Gebrechen, die sich besonders negativ auf die Zufriedenheit auswirken, ermittelten die Forscher vor allem Beschwerden im Magen-Darm-Bereich sowie funktionale Einschränkungen des Bewegungsapparats.

Eine wichtige Rolle innerhalb der sogenannten externen Faktoren spielt der soziale Aspekt. Wer über ein soziales Netzwerk aus Familie, Freunden und Bekannten verfügt, hat als älterer Mensch ein größeres Wohlbefinden und eine höhere Zufriedenheit. Auch die räumliche Umgebung ist ein wichtiger Faktor. Ein Leben in einem „richtigen“ Zuhause wirkt sich positiv aus. Als weitere die Zufriedenheit steigernde Faktoren nennen die Forscher ein Leben in einer festen Partnerschaft, ein höheres Bildungsniveau und finanzielle Sicherheit.

Aus ihren Analysen zogen die schwedischen Wissenschaftler vor allem das Fazit, dass es in der gegenwärtigen Literatur zu wenig Studien auf Grundlage qualitativer Methodiken gibt, um die Fragestellung aus der Perspektive der älteren Menschen zu untersuchen.

 

Miriam Buchmann-Alisch

 

Weiterführende Informationen:

Exploring the concept of optimal functionality in old age (Abstract)  (Artikel)

Bild Eingangsseite: Copyright ADFC Jens Lehmkühler

Bild oben: By Candida Performa (It's all about love) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons