Masterstudiengänge Gerontologie – ein Überblick

Der demografische Wandel erhöht die Bedeutung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Altern. Wie in den meisten europäischen Ländern wurden in den letzten Jahren auch in Deutschland gerontologische Studiengänge ausgebaut oder gegründet. So ist es mittlerweile möglich, einen Masterstudiengang im Fach Gerontologie an mehreren Universitäten oder Hochschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu absolvieren.

Die Gerontologie ist eine Querschnittsdisziplin und als solche grundsätzlich multidisziplinär ausgerichtet. Sie basiert dabei nicht nur auf medizinischen und sozialwissenschaftlichen Inhalten. Geistes- und verhaltenswissenschaftliche, naturwissenschaftliche oder technische Fächer gehören inzwischen ebenso selbstverständlich zur Grundlage gerontologischer Forschung und Lehre wie die Vermittlung von verwaltungs- oder managementbezogenen Inhalten. Und schließlich beschäftigt sich auch die Sportwissenschaft mit dem Älterwerden und bietet seit einigen Jahren einen fachspezifischen gerontologischen Studiengang an.

Berufsfelder

Den Absolventen des Master-Studiengangs Gerontologie steht eine Vielzahl von Berufsfeldern offen. Zu den eher „klassischen“ Tätigkeitsbereichen gehören beispielsweise die Leitung von oder das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung in Alteneinrichtungen. Viele Beschäftigungsmöglichkeiten sind im Pflege- und Versorgungssektor angesiedelt, zum Beispiel in den Bereichen Prävention, Diagnostik und Behandlung. Dies beschränkt sich nicht auf Kranken- und Senioreneinrichtungen, sondern umfasst beispielsweise auch Therapie- und Rehabilitationszentren.

Bibliothek der Universität Vechta © Lars Krüger

Bibliothek der Universität Vechta © Lars Krüger

Auch beratend können die ausgebildeten Gerontologen nicht nur in altenspezifischen Institutionen tätig werden, sondern auch die wachsenden Bedürfnisse in den Bereichen individueller Gesundheits-, Mobilitäts- oder Angehörigenberatung erfüllen. Auch in vielen Verbänden sowie in staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen wird der Bedarf an alterswissenschaftlich fundiertem Know-how weiter wachsen.

Ein steigender Bedarf wird ebenfalls für Firmen und Betriebe prognostiziert. Hier werden exemplarisch die Themen betriebliche Gesundheitsförderung, Sicherheit am Arbeitsplatz und aktive Vorbereitung auf den Ruhestand genannt. Zu den neu erschlossenen Arbeitsfeldern der Gerontologen gehören zum Beispiel auch Touristikunternehmen und sogar Fitnessstudios.

Den Alterswissenschaftlern steht überdies der Weg in die Forschung und Lehre offen. Dies beschränkt sich nicht auf Universitäten. Bei ausreichender beruflicher Praxis ist auch eine Tätigkeit an Fachhochschulen realisierbar. Je nach Landesgesetzen ist auch eine Lehrtätigkeit an berufsbildenden Schulen möglich. Die Aus- und Weiterbildung von Übungsleitern und Pflegepersonal bei staatlichen oder privaten Anbietern ist ein weiterer Tätigkeitsbereich.

In Zukunft könnten die Berufsfelder noch vielfältiger werden. So lautet denn auch die Botschaft der Sporthochschule Köln für angehende Gerontologen: „Das Innovationspotenzial für neue Angebote und Beschäftigungsfelder sowie für Existenzgründungen ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft.“

Studieninhalte

Der Masterstudiengang Gerontologie oder Demographie kann in Vollzeit oder berufsbegleitend in Teilzeit absolviert werden. Einige Hochschulen bieten wahlweise beide Studienformen an. Als Abschlüsse erhalten die Studierenden je nach Universität den Master of Science oder den Master of Arts.

Grundlagen und Forschungsmethoden der Gerontologie/ Demographie werden in den verschiedenen Studiengängen mit unterschiedlichen Schwerpunkten vermittelt. Allerdings sind viele wesentliche Inhalte an diversen Universitäten oft deckungsgleich, auch wenn sie auf unterschiedliche Module verteilt oder die Module verschiedenartig benannt sind. Dasselbe gilt teilweise auch für die Vertiefung im weiteren Studienverlauf. Einige Schwerpunkte und Charakteristiken der verschiedenen Studiengänge werden im Folgenden kurz dargestellt. Für die Auswahl des passenden Studienorts empfiehlt es sich jedoch unbedingt, die detaillierten Modulpläne der Universitäten (siehe Linkliste) miteinander zu vergleichen.

Berufsbegleitend und als Fernstudium kann man an der Universität Stuttgart einen Master of Science in Integrierter Gerontologie erwerben. Der Studiengang wird zu 80 Prozent online von zuhause oder einem beliebigen anderen Ort absolviert. Das Motto des Studiengangs lautet: „Der demographische Wandel als Chance – Das Altern gesellschaftlich und individuell gelingend gestalten!“ Durch die Verbindung von gerontologischen Fragestellungen mit ingenieur-, sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Inhalten sollen Studierende zu „Änderungsmanagern des demographischen Wandels“ ausgebildet werden. Der Studiengang will dabei explizit auch Absolventen der Architektur und Ingenieurwissenschaften ansprechen, was sich beispielsweise im Studienmodul „Technik, Mobilität und Wohnumfeld“ widerspiegelt. Auf Tätigkeiten im Management soll das Modul „Führungstheorien“ vorbereiten.

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bietet den Studiengang Gerontologie in Vollzeit und in Teilzeit an. In beiden Fällen schließt das Studium mit dem Master of Science ab. Die Studieninhalte basieren auf einem interdisziplinären Fächerspektrum mit Anteilen aus Methodik, Geriatrie, Gerontopsychiatrie, Psychogerontologie, Interventionsgerontologie, Alternssoziologie und Angewandter Gerontologie. Diese anwendungsbezogene Forschung wird mit Fragen der Versorgung, Qualitätssicherung und Evaluation im Bereich des Alterns verbunden. Zum Pflichtbereich des Studiums gehört beispielsweise das Modul „Klinische Gerontologie“. Durch dieses sollen die Studierenden „eine multidimensionale Sichtweise des älteren Menschen in klinischen und nichtklinischen Kontexten“ entwickeln und „im gerontologischen Feld diagnostisch handeln“ können. Teil des Pflichtprogramms ist ebenso ein gerontologisches Praktikum mit der Dauer von einem oder (bei Teilzeitstudium) zwei Semestern.

Die Hochschule Zittau/Görlitz bietet den Studiengang Soziale Gerontologie an, der mit dem Master of Arts abschließt. Der sozialwissenschaftlichen Ausrichtung des Studiengangs wird in mehreren Studieninhalten Rechnung getragen, beispielsweise im Grundlagenmodul „Sozialpolitik und soziale Ungleichheit im Alter“, im Erweiterungsmodul „Sterbe- und Trauerbegleitung“ oder in den Wahlpflichtfächern „Kulturvergleich alternder Gesellschaften“ sowie „Generationenbeziehungen“. Eine altersspezifische Behandlung des Themenfeldes Innovation und Technologie wird als Erweiterungsmodul angeboten. Inhalte wie Evaluation, Qualitätssicherung, Leitungshandeln oder Projektmanagement werden den Studierenden schließlich in Schwerpunktmodulen vermittelt, die sich allgemein mit dem „professionellen Handeln in Organisations- und Interventionsprozessen“ befassen.

Der Studiengang Gerontologie an der Universität Vechta schließt mit dem Master of Science ab. Der fachspezifische Pflichtbereich behandelt im Modul „Familie und soziale Beziehungen“ Aspekte der Familiensoziologie und -psychologie. In weiteren Modulen führt das Studium in die Themenbereiche „Gesundheit, Pflege und soziale Dienste“ und widmet sich dem Problemfeld der Alterskrankheiten. Zum Pflichtteil der Ausbildung gehört außerdem eine Studienarbeit, bei der ein Team von mindestens zwei Studierenden eine selbst gewählte theoretische oder empirische Forschungsfrage bearbeitet. Das Studium beinhaltet darüber hinaus fachübergreifende Wahlbereiche aus den Themenkomplexen „Individuum und Gesellschaft“ sowie „Institution und Umwelt“. Dort können Module wie „Altersstereotype und Heterogenität des Alters“ oder „Gerontologische Versorgungskonzepte“ belegt werden.

Am Lehrstuhl für Soziale Gerontologie der Technischen Universität Dortmund kann der Master of Arts im Studiengang „Alternde Gesellschaften“ erlangt werden. Der interdisziplinär ausgerichtete Studiengang setzt drei spezifische Themenschwerpunkte: „Technik, Wirtschaft und Arbeit“, „Bildung, bürgerschaftliches Engagement und Partizipation“ sowie „Gesundheitliche und pflegerische Versorgung im Wohlfahrtsmix“. In den Basismodulen des Pflichtbereichs sollen soziologische, verhaltenswissenschaftliche, sozialpolitische und ökonomische Zugänge zum Themenfeld „Alternde Gesellschaften“ vermittelt werden. Ein Fokus der Basismodule liegt außerdem auf der Aneignung von Methoden der quantitativen Sozial- und Alternsforschung. Der Wahlbereich ermöglicht den Studierenden schließlich eine Vertiefung der gewonnenen Kompetenzen in einem der drei spezifischen Themenschwerpunkte des Studiengangs.

Die Deutsche Sporthochschule Köln bietet den Studiengang Sport- und Bewegungsgerontologie an. Absolventen erhalten den Master of Arts. Das Studium will ein „wissenschaftlich fundiertes Verständnis von körperlicher und sportlicher Aktivität unter Berücksichtigung der Veränderungen über die gesamte Lebensspanne“ vermitteln. Auf dem Weg dahin müssen sich die Master-Kandidaten zunächst mit bio-, sozial- und verhaltenswissenschaftlichen sowie methodologischen Grundlagen auseinandersetzen. Danach fokussieren sich verschiedene Studieninhalte auf den Bereich „Praktische Erfahrung“ und die Vermittlung von „Ideen für die Umsetzung von Bewegungs- und Sportprogrammen“. Die erworbenen Grundlagen werden an ausgewählten aktuellen Fragestellungen theoretisch und praktisch vertieft, woraufhin die Studierenden in konkreten Projekten aus den Wahlbereichen Technologie, Ernährung, Alterskrankheiten, Pharmakologie und Management mitarbeiten sollen.

Die Universität Rostock bietet den Studiengang Demographie in zwei Varianten an – entweder als reguläres Master-Studium oder als Studium mit integriertem Promotionspfad. In beiden Fällen wird ein Master of Science „Demographie“ erworben. Die „konventionelle“ Variante besteht aus sechs Pflicht- und zwei Wahlpflichtmodulen, in denen ein Überblick über die inhaltlichen Zusammenhänge und die Untersuchungsmethoden des Fachs sowie vertiefte Fachkenntnisse in den gewählten Spezialisierungsbereichen vermittelt werden. Zur individuellen Erweiterung von Kompetenzen auf anderen Gebieten der Demographie oder im Bereich der Nachbardisziplinen Soziologie und Volkswirtschaftslehre ergänzen drei Wahlbereiche den Studiengang. Alternativ zum regulären Masterprogramm kann im 2. Studienjahr das Master-Studium mit integriertem Promotionspfad absolviert werden. Die dort enthaltenen Module werden durch die IMPRSD (International Max Planck Research School for Demography) angeboten. Sie sollen den Einstieg in ein dreijähriges, strukturiertes Promotionsprogramm mit thematischem Schwerpunkt „Demographischer Wandel“ bilden. Die Masterarbeit kann in diesem Fall bereits als Entwurf des Promotionsvorhabens konzipiert werden.

Der berufsbegleitende Masterstudiengang „Bildung im Alter“ wird von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe angeboten. Es ist der erste Masterstudiengang in Deutschland, der sich auf Fragen der Alterspädagogik spezialisiert. Er richtet sich vor allem an Berufstätige, die im Bildungssektor arbeiten und bereits einen ersten akademischen Abschluss erworben haben. Die Kombination von internetgestützten Selbstlern- und Projektarbeitsphasen mit gezielt eingesetzten Präsenzphasen soll den Studierenden eine maximale zeitliche Flexibilität ermöglichen. Neben einer Einführung in die Gerontologie, in der sowohl biologisch-medizinische als auch soziologische und sozialpolitische Fragestellungen berücksichtigt werden, ist die Vermittlung pädagogischer Kompetenz ein zentrales Studienziel. Diese umfasst allgemeine Alterspädagogik wie auch fachspezifische Didaktik in Feldern wie Bewegungs- und Spracherziehung, Kunsterziehung oder der Medienpädagogik für alte und hochbetagte Menschen. Zu diesem Studiengang, der mit dem „Master of Arts“ abschließt, gehört zudem der Transfer eigenständig entwickelter Konzepte in die Praxis.

Die Technische Universität Chemnitz hat einen berufsbegleitenden Master-Studiengang in Klinischer Gerontopsychologie eingerichtet. Hier werden klinische Kompetenzen im psychologischen Umgang (Behandlung und Betreuung) alter Menschen vermittelt. Wer einen Abschluss in Psychologie, Pädagogik oder Gesundheitswissenschaft oder mehrjährige einschlägige Berufserfahrung vorzuweisen hat, kann sich bewerben. Durch die Kombination von Präsenzphasen, E-Learning und Selbststudium soll es den Teilnehmern ermöglicht werden, das dreijährige Studium neben einer Berufstätigkeit zu absolvieren und einen Master of Science zu erwerben. Neben methodischen und theoretischen Grundlagen ist auch die praktische Anwendung ein wichtiges Element, das durch Fallbesprechungen, praxisbezogene Gruppenarbeiten, Praktikum und nicht zuletzt Fachleuten aus der Praxis umgesetzt wird.

Dauer und Kosten

Die Regelstudienzeit für ein Vollzeit-Studium beträgt 4 Semester. Berufsbegleitend lässt sich der Master je nach Universität im Zeitraum zwischen 5 und 8 Semestern erwerben. Große Unterschiede gibt es bei den Kosten, die durch Studiengebühren und Semesterbeiträge anfallen. Diese können sich im Jahr 2013 zwischen 217 Euro und 2.437 Euro pro Semester belaufen.

Zulassungsvoraussetzungen

Die Zulassungsvoraussetzungen bestehen in der Regel in einem einschlägigen, mit überdurchschnittlichem Erfolg abgeschlossenen Diplom-, Bachelor- oder Masterstudium. Die Definition dessen, was für den jeweiligen Studiengang als einschlägig gilt, kann allerdings von Universität zu Universität unterschiedlich sein. An einigen Hochschulen sind unter dem Nachweis besonderer Eignung Ausnahmeregelungen möglich. An der Universität Erlangen-Nürnberg beispielsweise gelten Abschlüsse in Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Sportwissenschaft, Medizin, Pflegewissenschaft oder als Sozialwirt als einschlägig, und Ausnahmen können bewilligt werden, wenn durch das absolvierte Studium oder durch Berufstätigkeit ein ausgeprägter Bezug zur Gerontologie nachgewiesen wird.

 

Miriam Buchmann-Alisch

 

Links zu den Masterstudiengängen

Universität Stuttgart

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – FAU

Hochschule Zittau/Görlitz

Universität Vechta

Technische Universität Dortmund

Deutsche Sporthochschule (DSHS) Köln

Universität Rostock

Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Technische Universität Chemnitz