"Lernen im Alter": Vorschläge des Verbands für Erwachsenenbildung

Zum Abschluss des Europäischen Jahres für aktives Altern 2012 hat der Europäische Verband für Erwachsenenbildung (EAEA) ein Policy Paper für „Lernen im Alter“ veröffentlicht.

Das Policy Paper „Older Learners – Learning later in Life“ empfiehlt konkrete Strategien zur Verbesserung der Lernsituation Älterer. Als zentrale Eckpunkte nennt die EAEA die Partizipation Älterer durch einen besseren Zugang zu Bildungsprogrammen und durch intergenerationelles Lernen. Ein kurzer Überblick über die Empfehlungen:

Zugangserleichterung

Der Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung für Ältere sollte erleichtert werden. Lernen im Alter dürfe kein Privileg einer gut ausgebildeten Minorität bleiben. Bildungseinrichtungen müssten mehr Lern- und Beratungsangebote bereitstellen, die an die Bedürfnisse älterer Menschen angepasst sind. In diesem Zusammenhang seien ebenso die Unternehmen gefragt, die das Lernen in jeder Altersstufe unterstützen sollten. Die Politik sollte überdies sicherstellen, dass sozial benachteiligte ältere Menschen Bildungsmöglichkeiten erhielten.

Lebenslanges Lernen als Priorität

Spezielle Trainer-Ausbildungen für den Umgang mit Älteren sollen helfen, Inhalte zielgruppenspezifisch zu vermitteln. Neben den dafür notwendigen Investitionen fordert die EAEA eine enge konzeptionelle Zusammenarbeit mit Seniorenorganisationen. Der konzeptionelle Einfluss der Lernenden müsse grundsätzlich auf allen Ebenen gestärkt werden.

Generationenübergreifendes Lernen

Die EAEA betont den vielfältigen Nutzen generationenübergreifenden Lernens. Unter anderem seien aber Sensibilisierungskampagnen notwendig, um entsprechende neue Lernmodelle zu entwickeln. Dafür seien die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ältere Arbeitnehmer

Fortbildungskonzepte in Unternehmen sind traditionell fast ausschließlich auf jüngere Arbeitnehmer ausgerichtet. Die EAEA wirbt für einen Mentalitätswandel in Hinsicht auf Arbeit, Lernen und Altern. Erforderlich seien mehr Vielfalt und Flexibilität im Bereich Lernen und Arbeiten im fortgeschrittenen Alter. Insbesondere die Eigeninitiative älterer Arbeitnehmer müsse hierbei mit speziell auf sie ausgerichteten Fortbildungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz gefördert werden.

Gesundheit

Der Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Gesundheit im Alter ist belegt. Beim Erhalt der geistigen Fähigkeiten spielt das Lernen eine tragende Rolle und kann so die Unabhängigkeit älterer Menschen ebenso stärken wie deren Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Überwindung der digitalen Kluft

Der Zugang zu Computern und zum Internet gewinnt in den europäischen Gesellschaften stetig an Bedeutung. IT-Kenntnisse werden mehr und mehr zur Grundbedingung für gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb sollte das Thema Digitalisierung eine Schlüsselrolle in einer aktiven Alternspolitik einnehmen. IT-Equipment, Lehrpläne und Schulungsmethoden sollten dementsprechend den Bedürfnissen älterer Menschen angepasst werden.

Förderung und Finanzierung

Oft wird Lernen im Alter allein im Fokus der Beschäftigungspolitik betrachtet. Fortbildungen sollen den Verbleib im Job oder eine rasche Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ermöglichen. Angesichts der enormen Auswirkungen, die durch den demografischen Wandel in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten sind, plädiert die EAEA dafür, den Begriff vom Lernen im Alter wesentlich zu erweitern und aufs Engste mit dem Konzept lebenslangen Lernens zu verknüpfen. Dies stellt spezifische Aufgaben an Bildungsträger, nationale Regierungen, Wirtschaftsunternehmen, Sozialpartner und die Europäische Union.

Der Europäische Verband für Erwachsenenbildung (EAEA – European Association for the Education of Adults) ist auf europäischer Ebene der größte Zusammenschluss von Verbänden und Institutionen im Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung. Zur Zeit zählt der Verband 127 Mitgliedsorganisationen in 43 Ländern.

 

Miriam Buchmann-Alisch

 

Links:

European Association for the Education of Adults (EAEA)

Policy Paper für „Lernen im Alter“ (Serie: EU-Jahr 2012, 7)