Gerontologie studieren in Deutschland – ein Überblick

Das Studienfach Gerontologie gewinnt auf Grund des demografischen Wandels immer mehr an Bedeutung. Sich mit der alternden Bevölkerung und dem alternden Menschen auch akademisch auseinanderzusetzen, ist daher eine Voraussetzung dafür, die Gesellschaft für längere Lebensläufe zu gestalten. Die Anzahl und Vielfalt an entsprechenden Studienmöglichkeiten hat zugenommen.

Sowohl Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften als auch private Hochschulen bieten einen Master in Gerontologie an. Es werden Voll- und Teilzeitstudium, Präsenz- und Fernstudium oder berufsbegleitende Formen angeboten. Das Studium kann zwischen drei und acht Semester dauern und zum Abschluss Master of Sciences (M.Sc) oder Master of Arts (M.A.) führen. Im Folgenden werden die einzelnen Studiengänge näher beleuchtet.

Masterstudiengang Klinische Gerontopsychologie (M.Sc.) - Technische Universität Chemnitz

Der berufsbegleitende Studiengang Klinische Gerontopsychologie (M.Sc.) richtet sich sowohl an (Fach-) Hochschulabsolventen mit einem Bachelor Abschluss in Psychologie, die schon berufstätig sind als auch an Berufstätige mit psychologischer oder verwandter Fachqualifikation. Im Studiengang werden die theoretischen und empirischen Grundlagen der Gerontopsychologie sowie spezielle klinische Kompetenzen für die psychologische Betreuung und Behandlung alter Menschen mit ihren spezifischen physischen, psychischen und sozialen Bedingungen vermittelt. Altersspezifische Störungs- und Krankheitslehre, diagnostische Methoden sowie Behandlungsansätze in der Gerontologie sind Gegenstände des Studiums. Praktische klinisch-psychologische Kompetenzen für eine fachkundige Anwendung altersspezifischer diagnostischer, beraterischer und psychotherapeutischer Methoden sollen erworben werden. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Bachelor-Studium (oder Magister/Diplom). Die Kosten für das Studium belaufen sich auf 9.990€ insgesamt über sechs Semester.

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Masterstudiengang Gerontologie (M.Sc.) - Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Das Masterstudium Gerontologie vermittelt Kompetenzen und fachspezifische Schlüsselqualifikationen für leitende Tätigkeiten in allen Bereichen gerontologischer Praxis wie der Administration, der Beratung und Diagnostik, der Evaluation und Qualitätssicherung, der Intervention und Therapie, der Lehre und der Forschung. Das Studium erstreckt sich auf die klinische Praxis in der Gerontologie und ihre benachbarten Disziplinen. Inhaltlich deckt es Methodik, Geriatrie, Gerontopsychiatrie, Psychogerontologie, Interventionsgerontologie, Alternssoziologie und Angewandte Gerontologie ab und versteht sich als evidenzbasierte und auf Methodenvielfalt setzende Ausbildung in den Bereichen der Beratung, Diagnostik, Intervention und Forschung des Alterns.

Diesen Masterstudiengang kann man sowohl in vier Vollzeitsemestern als auch in sechs berufsbegleitenden Semestern absolvieren, die Kosten belaufen sich auf 104 €/ Semester. Voraussetzung ist ein einschlägiges, mit überdurchschnittlichem Erfolg abgeschlossenes Diplom-, Bachelor- oder Masterstudium an einer deutschen oder ausländischen Universität oder Fachhochschule. Als „einschlägig“ gelten Abschlüsse in Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Sportwissenschaft, Medizin, Pflegewissenschaft oder als Sozialwirt (Wissenschaftliche Hochschule).

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Master online Integrierte Gerontologie (M.Sc.)  – Universität Stuttgart

Dieser Studiengang wird bis auf wenige Termine ausschließlich online (80%) absolviert und dauert berufsbegleitend acht Semester. Er richtet sich an Mitarbeiter/innen von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Industrie und Handelskammern, Berufs- und kommunalen Spitzenverbänden, von Krankenkassen, Landessozialministerien, Parteien, der Industrie und der Dienstleistungsbranche. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Bachelor- oder ein Diplomstudium. Inhaltlich beschäftigt sich der Studiengang zum Beispiel mit ‚Demographie und Gesellschaft‘ oder ‚Technik und Wohnumfeld im Alter‘. Die Studienkosten belaufen sich auf 14.100 € insgesamt +106 € Semesterbeitrag.

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Sport- und Bewegungsgerontologie (M.Sc.)  – Deutsche Sporthochschule Köln

Auch die Sporthochschule Köln bietet einen Studiengang mit Altersbezug an. In diesem Masterprogramm sollen die Studierenden ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis von körperlicher/sportlicher Aktivität unter Berücksichtigung der körperlichen und kognitiven Veränderungen über die gesamte Lebensspanne erwerben. Diese wissenschaftliche Orientierung wird durch praktische Erfahrung sowie innovative Ideen für die Umsetzung von Bewegungs- und Sportprogrammen ergänzt. Die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zu den biologisch-physiologischen und psychosozialen Ursachen und Veränderungen im Altersprozess prägt die Ausrichtung des Studiengangs und die inhaltliche Gestaltung der Module. Diese werden vor dem bewegungs- und trainingswissenschaftlichen Hintergrund analysiert. Die Voraussetzungen für das vier Semester lange Studium sind die erfolgreiche Absolvierung eines mindestens sechssemestrigen einschlägig wissenschaftlichen Studiums und der Nachweis der fachlichen Eignung durch einen überdurchschnittlichen Studienabschluss (Note 2,5 nach dem deutschen Notensystem oder Grade B nach ECTS). Im Gegensatz zu den Bachelor- und Lehramtsstudiengängen stellt die Sporteignungsprüfung keine Voraussetzung zur Aufnahme eines konsekutiven Masterstudienganges an der Deutschen Sporthochschule dar. Es fallen keine Studiengebühren an, es ist nur der Semesterbeitrag zu entrichten,  der sich aktuell auf 261,60 €/ Semester beläuft und die Berechtigung für ein NRW-Ticket enthält.

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Master Gerontologie (M.A.) – Universität Vechta

Die Campus Uni Vechta bietet einen M.A. in Gerontologie an, der als weiterführendes Studium nach dem ebenfalls dort angebotenen Bachelor in Gerontologie gedacht ist, jedoch auch mit fachverwandten Bachelor-Abschlüssen wie soziale Arbeit oder Psychologie studiert werden kann. Der Studiengang hat seinen Schwerpunkt in der Sozialen Gerontologie und integriert insbesondere die gerontologisch relevanten Forschungsstränge aus Soziologie, Ökonomik und Psychologie. Die Lernziele der verschiedenen Module sind darauf ausgerichtet, anhand gerontologischer Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung praxisrelevantes und handlungsorientiertes Gestaltungs- und Transferwissen zu vermitteln. Für das Masterstudium an der Uni Vechta fällt lediglich ein Semesterbeitrag von derzeit 328,70 € pro Semester an, die Regelstudienzeit beträgt vier Semester.

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Alternde Gesellschaften Master of Arts (M.A.) – Technische Universität Dortmund

Der Masterstudiengang richtet sich an Absolvent/innen sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Bachelor- und Diplomstudiengänge, die eine Vertiefung und Erweiterung ihrer Kenntnisse in der Alter(n)sforschung anstreben. Um zugelassen zu werden, braucht man einen Bachelor mit einer Abschlussnote von mindestens 2,5 und hinreichende Kenntnisse in Methoden der empirischen Sozialforschung (Module in empirischen Forschungsmethoden und Statistik im Umfang von mindestens zehn Leistungspunkten). Das Programm setzt sich zum Ziel, fundiertes Wissen über individuelles und gesellschaftliches Altern und methodische Kompetenz im Bereich der Sozialforschung zu vermitteln. Diesen Master kann man sowohl in Vollzeit (vier Semester) als auch in Teilzeit (sieben Semester) absolvieren. Es ist ein Semesterbeitrag von derzeit 284,22 € fällig.

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Masterstudiengang Bildung im Alter (M.A) – Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Der berufsbegleitende geragogische Masterstudiengang (M.A.) an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe vermittelt alterspädagogische Kompetenzen, um den spezifischen Herausforderungen von Bildung im Alter zu begegnen. Der Studiengang ist auf vier Säulen aufgebaut, wobei sich die erste mit der Gerontologie beschäftigt. Die zweite Säule vermittelt wissenschaftliche Methoden sowie Ethik und moralische Urteilsbildung. Die dritte Säule ist die auf Bildung im Alter zugeschnittene pädagogische Kompetenz, diese umfasst allgemeine Alterspädagogik, sowie fachspezifische Didaktik und altersgerechte Medienpädagogik. Die vierte Säule konzentriert sich auf die praktische Umsetzung des Gelernten. Es werden praktische Studien in Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen für Senioren durchgeführt, in denen die Studierenden eigene Konzepte entwickeln lernen und in alterspädagogischen Einrichtungen erproben können. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester, die Kosten belaufen sich auf 6.400€.

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Master Soziale Gerontologie (M.A.) – Hochschule Zittau/Görlitz

Die Hochschule Zittau/Görlitz hat ihren gerontologischen Studiengang im Bereich der Sozialwissenschaften angesiedelt. In einem generalistisch angelegten Studiengang wird die soziale Gerontologie als integrativ-multidisziplinäre Querschnittswissenschaft verstanden. Disziplinen wie Demografie, Geriatrie, Gerontopsychiatrie, Pflegewissenschaften oder Sozialrecht werden in das Curriculum integriert. Die Studierenden sollen methodische Kompetenzen erwerben, die sie in die Lage versetzen, selbst Datenerhebungen durchführen. Eine tragende Säule des Studiengangs stellt E-Learning dar. Deshalb ist eine Voraussetzung für diesen Studiengang eine schnelle (mind. DSL 2000) Internetverbindung sowie ein Headset und eine Webcam. Weitere Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Bachelor- bzw. Diplomstudium mit 210 ECTS (Eignungstest bei weniger) sowie mindestens ein Jahr Berufserfahrung mit Bezug zu älteren Menschen bzw. Ehrenamt /berufliche Tätigkeit von mind. 15 bis max. 30 Stunden/Woche. Es handelt sich um einen Teilzeitstudiengang, der in fünf Teilzeitsemester zu absolvieren ist. Die Semestergebühr beträgt 500 € plus einen Semesterbeitrag von 72,50 €.

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Gesundes Altern und Gerontologie (M.A). - SRH Hochschule für Gesundheit Gera

Im Mittelpunkt des Masterstudiengangs Gesundes Altern und Gerontologie (M.A.) stehen die sich stark ändernden Anforderungen an unsere Gesellschaft und an das Bildungs- und Gesundheitssystem aufgrund des demografischen Wandels. Inhaltlich beschäftigt sich dieser Studiengang zum Beispiel mit ‚Lernen und Kommunikation im Alter‘, ‚Gesundheitsversorgung‘, ‚Interdisziplinäre Gesundheitsprojekte‘ und ‚Ressourcenmanagement im Alter‘ sowie ‚Kognitive Störungen im Alter‘. Studiert wird vier Semester in Teilzeit oder neun in Vollzeit.  Eine Besonderheit des Studiengangs ist, dass er nur alle 14 Tage von Montag bis Freitag stattfindet. Voraussetzungen sind eine erster akademischer Grad in Bereichen wie Logopädie, Sprachtherapie, Pflegewissenschaften, Psychologie oder ähnliches sowie ein persönliches Aufnahmegespräch. Die Studiengebühren belaufen sich auf 480 € /mtl. plus eine einmalige Immatrikulationsgebühr von 200 €.

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Soziale Arbeit in der alternden Gesellschaft (M.A.) - Hochschule Magdeburg/Stendal

Der Studiengang ist in Module unterteilt, in denen vertiefte Kenntnisse der Sozialen Arbeit mit ihren rechtlichen und ökonomischen Voraussetzungen, Kenntnisse der Gerontologie und der Methoden der empirischen Sozialforschung erworben werden können. Es sollen grundlegende Kenntnisse zur Lebenslage Älterer und zum Alternsprozess, zum Lebenslauf und zu den Generationenbeziehungen erworben werden, die durch vertiefte Kenntnisse in quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden ergänzt werden. Zudem stehen die rechtlichen, institutionellen und ökonomischen Grundlagen sowie Handlungsstrategien der Prävention und Intervention im Vordergrund. Den Masterabschluss kann man hier schon nach nur drei Semestern erreichen, die Zugangsvoraussetzung ist ein Bachelor in sozialer Arbeit (oder vergleichbar) mit einem Abschluss von mindestens 2,3 und einem Umfang von 210 ECTS. Für die drei Semester ist jeweils ein Semesterbeitrag in Höhe von 93 € fällig.

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Angewandte Gerontologie (M.A.) - APOLLON Hochschule Bremen

Hierbei handelt es sich um ein Fernstudium, das sich an Absolventen mit einem Bachelor in Pflegemanagement oder eines ähnlichen Studiengangs richtet. Bewerber mit anderen Bachelor-Abschlüssen können mit einer Nachqualifizierung (Propädeutikum) den Master Angewandte Gerontologie (M.A.) studieren. Hier sollen sowohl fachliche als auch managementorientierte Inhalte vermittelt werden. Fachlich werden ökonomische und rechtliche Grundlagen genauso beleuchtet wie psychologische und sozialpolitische Fragen oder das Thema E-Health. Ebenso werden Fragen der Organisation und Ethik in Pflegeeinrichtungen explizit betrachtet.

Spezifisches Management-Know-how wird in den Modulen „Kommunikation und Führung“, „Wissensmanagement“ sowie „Sozioökonomie der alternden Belegschaft“ vermittelt. Darüber hinaus bieten die Wahlpflichtfächer einen direkten Anwendungsbezug und ermöglichen eine erfolgreiche Spezialisierung zu Beispiel im Bereich ‚Wohnen im Alter – Stadtentwicklung‘ oder ‚Migration und Global Aging‘. Angeboten wird der Master in zwei verschiedenen Varianten: 32 Monate für 8288 € oder 24 Monate für 7560 € zzgl. Fahrt- und Unterbringungskosten.

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Zukunft Alter: Angewandte Gerontologie (M.A.) - Verbundmaster von Hochschulen in Freiburg, Mannheim, München

Bei diesem Master handelt es sich nicht um ein klassischen Masterstudiengang der an einer Hochschule absolviert wird, sondern um einen Verbundmaster, der an drei Standorten im Rahmen von Blockweiterbildungen absolviert wird. Im Anschluss an diese ist es möglich, eine Masterarbeit zu schreiben und den Titel Master of Arts zu erlangen. Mit dem Verbundmaster „Zukunft Alter: Angewandte Gerontologie“ sollen Wege aufgezeigt werden,wie berufliche und hochschulische Bildung in Anrechnung und Anerkennung flexibler und durchlässiger aufeinander abgestimmt werden könnten. Auf diese Weise soll eine Weiterqualifizierung von Fachkräften bzw. wissenschaftlichen Nachwuchses - aus der Praxis kommend - gefördert werden.

„Zukunft Alter: Angewandte Gerontologie“ ist ein Modellprojekt des Europäischen Sozialfonds „Chancen fördern“. Aktuell kooperieren die Katholische Hochschule Freiburg, die Hochschule Mannheim sowie die Katholische Stiftungshochschule für angewandte Wissenschaften München und erkennen gegenseitig die CAS-Zertifikate sowie die ECTS an. Für den Erwerb des formal weiterqualifizierenden akademischen Abschlusses Master of Arts (M.A.) Angewandte Gerontologie im Umfang von 90 ECTS fehlt dann (bei Vorliegen eines ersten Studienabschlusses) nur noch das Master-Abschluss-Modul (30 ECTS), das zukünftig an der Katholischen Hochschule Freiburg angeboten wird – ein individuell planbarer Weg zum Master.

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Mögliche Berufsfelder und Tätigkeiten

Den Absolventinnen und Absolventen eines Masterprogramms Gerontologie eröffnet sich eine Vielzahl von beruflichen Perspektiven - die Möglichkeiten sind genauso breitgefächert wie das Fachgebiet selbst. Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es im Pflege- und Versorgungssektor, wie etwa bei Krankenkassen, oder in Qualitätssicherung und -management in Senioreneinrichtungen. Es ist aber auch möglich, eine eher beratende Tätigkeit in altersspezifischen Organisationen und Institutionen anzustreben. In vielen Verbänden und staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen wird der Bedarf an gerontologischem Fachwissen stetig weiterwachsen.

Auch die Industrie und Firmen zeigen Interesse an alterswissenschaftlichem ‚Know-how‘, zum Beispiel für die betriebliche Gesundheitsförderung, Sicherheit am Arbeitsplatz etc. Auch im technologischen Bereich ist gerontologisches Wissen gefragt, etwa bei der Entwicklung von Assistenzsystemen oder  der Gestaltung altersgerechter Medien oder von User-Interfaces.

Auch Touristikunternehmen, Freizeit- und Sportanbieter mit Angeboten für eine ältere Zielgruppe sind mögliche Arbeitgeber. Ein abgeschlossenes Masterstudium eröffnet auch den Weg in die akademische Forschung und befähigt zur Promotion. Zukünftig werden die Berufsfelder wahrscheinlich noch vielfältiger werden.

Stellenangebote listet unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie auf: Stellenangebote.

Von Nadine Beck

Foto Startseite: Bibliothek der Universität Vechta © Lars Krüger