Ausstellungseröffnung
Neue Bilder vom Alter(n)

Von Miriam Buchmann-Alisch

Am 6. September 2010 wurde im Braunschweiger Haus der Wissenschaft die Wanderausstellung „Neue Bilder vom Alter(n)“ eröffnet. Die 81 Fotografien regen zum Nachdenken und Diskutieren darüber an, wie das Altern in Zukunft aussehen wird.

Frau Prof. Staudinger eröffnet die Ausstellung

Frau Prof. Staudinger, Vizepräsidentin der Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften und Vizepräsidentin der Jacobs University Bremen, eröffnet die Ausstellung.

Die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland steigt. Sie sind in der Regel gesünder und leistungsfähiger. Auch der Anteil Älterer an der Gesamtbevölkerung nimmt zu. Damit rückt das Alter immer mehr in den Blickpunkt der Gesellschaft. Doch oft bremsen traditionelle Altersbilder und Vorurteile über das Alter(n) die Umsetzung der Vielfalt an Möglichkeiten, die sich im Alter bieten.

„Ich wäre froh, wenn manche Leute hier hinausgehen und sagen: Ich bin alt. Dann hätten wir viel erreicht“, sagte Ursula M. Staudinger, Vizepräsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, in ihrer Eröffnungsrede. Ein großes Ziel sei es, überkommene Altersbilder aufzulösen: „Es wäre schön, wenn wir nicht vor dem Alter davonlaufen, sondern voller Stolz dazu stehen.“

Besucher der Ausstellung Neue Bilder vom Altern

Ein Besucher interessiert sich für das Bild „Will Brands im Interview“ (2007) des Fotografen Artur Wiese.

In acht thematischen Bereichen zeigt die Ausstellung eindrucksvoll viele Facetten des Älterwerdens. Einsame ältere Menschen stehen solchen gegenüber, die aktiv in die Gesellschaft eingebunden sind. Traditionelle Altersbilder sind kontrastiert von auch mal schrillen Szenen. Die Besucher betrachten ältere Menschen bei ihren Hobbies, bei freiwilligem Engagement und bei der Arbeit ebenso wie intime Szenen zwischen reifen Paaren.

Die Exponate wurden aus über 400 Einsendungen bei einem von der Leopoldina initiierten Wettbewerb von einer Fachjury ausgewählt und stammen sowohl von professionellen als auch von Hobby-Fotografen im Alter zwischen 16 und 82 Jahren.

Für Staudinger spiegelt sich in den Ausstellungsstücken ein wesentlicher Aspekt des Älterwerdens wider: „Je mehr Jahre wir in uns tragen, desto unterschiedlicher werden wir. Wir müssen es schaffen, unserer Individualität gerecht zu werden.“ Neue und für manche Betrachter vielleicht ungewohnte Darstellungen stehen wie in der Realität neben eher traditionellen Altersbildern. „Das eine löst das andere nicht komplett ab“, betont die Psychologin und Alternsforscherin, die auch der Jury angehörte.

Besucher der Vernissage erkunden die Ausstellung

Besucher der Vernissage erkunden die Ausstellung.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina unterstreicht, dass die gewonnenen Jahre am Lebensende eine Chance für jeden Einzelnen und uns alle sind. Eine mehrjährige Untersuchung der Leopoldina zum „Altern in Deutschland“ hatte ergeben, dass es dafür notwendig ist, die Bilder in unseren Köpfen, die Welt der Arbeit und des Lernens, die Kommunen und das Zusammenleben umzugestalten.

Wie sich die Bilder in den Köpfen verändern und erweitern können, zeigen exemplarisch die vier prämierten Fotografien. Gerhard Weber, Gewinner des Wettbewerbs, thematisiert in seiner Aufnahme „Ursula und Siegfried M.“ das Tabuthema Sexualität im Alter. Den zweiten Preis erhielt Anna Mutter für ein Bild aus ihrer Serie „Abendrot“, in der sie neun ältere Menschen porträtierte, die sich nach ihrer ersten beruflichen Karriere den Lebenstraum erfüllten, als Clown aufzutreten. Einen von zwei dritten Preisen erhielt David Lohmüller für „Strike – Seniorenbowling mit Nintendo Wii“. Andere Fotografien entführen den Betrachter in Wohnungen und Gärten, in die Bikerszene, in das Berliner Nachtleben oder ins Fitness- und Tanzstudio.

Foto Ausstellung Altern in Deutschland

Barbara Zölfel neben ihrem Portrait der Fotografin Anna Mutter, aus der Serie „Abendrot“ (2009), 2. Preis.

Unter den rund 80 Vernissage-Besuchern, die von Markus Weißkopf, dem Leiter des Hauses der Wissenschaft in Braunschweig, begrüßt wurden, waren auch Carola Reimann, Vorsitzende Ausschuss Gesundheit im Deutschen Bundestag, Nicole Bracht-Bendt, seniorenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, und Jürgen Howe, Professor für Gerontopsychologie an der TU Braunschweig. Das Grußwort sprach Prof. Dr. Dr. Jürgen Hesselbach, Präsident der Universität Braunschweig. Prof. Dr. Ursula M. Staudinger hielt den Eröffnungsvortrag. Die Kuratorin Sabine Aichele-Elsner führte in die Konzeption der einzelnen Ausstellungsbereiche ein und stellte anwesende Fotografen und Porträtierte vor.

 

Weitere Stationen der Ausstellung

Kontakt


Sabine Aichele-Elsner M.A.
Künstlerische Koordination und Kuratorin
Tel.: 0341-355 20 466

www.altern-in-deutschland.de