Neue Bilder vom Alter(n) – Wanderausstellung eröffnet in München

Carola Kleinschmidt

Am 11. November 2010 öffnete die Wanderausstellung „Neue Bilder vom Alter(n)“ an ihrem dritten Standort München ihre Tore. In er Immatrikulationshalle der Technischen Universität München haben Besucher bis zum 25.11. 2010 die Gelegenheit, 81 Fotografien anzusehen, die zum Schauen und Nachdenken über unsere Vorstellungen und die heutige Realität vom Alter und Älterwerden anregen.

Prof. Dr. Josef Ehmer während des Vortrages "Was ist alt, was ist neu? Zum historischen Wandel von Alter(n)sbildern"
© Galerie ARTAe Leipzig

Josef Ehmer, Professor Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien und Experte auf dem Gebiet der Forschung über das Altern und unsere Bilder vom Alter, hielt die Eröffnungsrede – und die Besucher folgten seinen Anregungen zum Schauen und Denken. Denn genau darum geht es in dieser Ausstellung: „Die Altersbilder und die Lebensformen des Alters wandeln sich“, erklärt Ehmer. Die 81 Fotografien, die im Rahmen eines Wettbewerbes aus 400 Einsendungen ausgewählt wurden, zeigen diesen Wandel anschaulich: Die Fotos zeigen ältere Menschen, die passioniert Sport betreiben oder sich mit modernen Computerspielen beschäftigen. Sie zeigen Menschen, die als Clown auftreten und als sich als Liebespaar in Unterwäsche porträtieren lassen. Sie zeigen Zimmer in Altenheimen, Familien mit jung und alt, aber auch einsame alte Menschen, Ältere im Moment des Rückzugs und der Besinnlichkeit. Die Fotografien zeigen sehr anschaulich: Altsein und Älterwerden hat heute viele Facetten.

1. Preis Gerhard Weber, Ursula und Siegfried 2009

Sabine Aichele-Elsner M.A. führt Herrn Prof. Dr. Karl Heinz Hoffmann, Prof. Dr. Peter Gritzmann, Vizepräsident der TU München und Prof. Dr. Josef Ehmer (v.l.n.r.) durch die Ausstellung.
© Karel Stipek

Und doch nehmen wir diesen Wandel nur wenig bewusst zur Kenntnis: „Wir alle haben unsere aus älteren kulturellen Schichten kommenden Stereotypen in den Köpfen“, erklärt Ehmer. Diese Stereotypen könnte man als unsere inneren Bilder und Erwartungen ans Älterwerden beschreiben. Sie speisen sich vor allem aus der Vergangenheit – und stehen häufig im Kontrast zu den Fotografien der Ausstellung, die die heutige Lebenswirklichkeit älterer Menschen abbilden. Der Besucher der Ausstellung kann die Diskrepanz spüren: Zum Beispiel, wenn ihn erstaunt, dass eine ältere Dame mit Lockenwickler Clownin ist. Oder ein offensichtlich älteres Paar Erotik sichtbar lebt. Der Besucher erlebt beim Gang durch die Ausstellung: Unsere üblichen stereotypen Vorstellungen vom Alter sind veraltet.

1. Preis Gerhard Weber, Ursula und Siegfried 2009

Tim und Marc vor ihrem Lieblingsbild "Strike - Seniorenbowling mit Nintendo.
© Galerie ARTAe Leipzig

Schön wäre es, wenn die Besucher die Bilder betrachten und zugleich reflektieren: Was entspricht ihren Erfahrungen und ihren Stereotypen und was widerspricht ihren Vorstellungen“, erklärt Ehmer, der dem Besucher in seiner Eröffnungsrede eine Art Anleitung zum Schauen mit auf den Weg gab: Woran machen wir die Einordnung „alter Mensch“ eigentlich fest? Sind es die Falten? Graue Haare? Oder ist es vielleicht vielmehr ein bestimmter Habitus? Beispielsweise das Sitzen. Oder auch der nach innen gekehrte Blick? Das Alleinsein eines Menschen? Das Nicht-Tätigsein? Mit Ehmers Anleitung kann der Besucher in gewisser Weise hinter die glänzende Oberfläche der Fotoabzüge sehen. Die Bilder bekommen dadurch eine Tiefe und Ausdruckskraft, die diese Ausstellung wirklich einzigartig macht.

Besucherin vor dem Foto "100 Jahre" von Paula Holtz.
© Galerie ARTAe Leipzig

Die Exponate der Wandereausstellung wurden aus über 400 Einsendungen bei einem von der Leopoldina initiierten Wettbewerb von einer Fachjury ausgewählt. Sie stammen sowohl von professionellen als auch von Hobby-Fotografen im Alter zwischen 16 und 82 Jahren. Die Ausstellung knüpft thematisch an eine mehrjährige Untersuchung der Akademiengruppe "Altern in Deutschland" an, die von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech getragen worden war. Eines der Ergebnisse lautete, dass es für die Realisierung der Chancen der gewonnenen Jahre notwendig ist, die Bilder in unseren Köpfen, die Welt der Arbeit und des Lernens, die Kommunen und das Zusammenleben umzugestalten.

 

Weitere Stationen der Ausstellung

Kontakt


Sabine Aichele-Elsner M.A.
Künstlerische Koordination und Kuratorin
Tel.: 0341-355 20 466

www.altern-in-deutschland.de