Bundestagswahl
Altern in Deutschland: Was sagen die Parteien?
Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl der Bundeszentrale für politische Bildung vergleicht die Positionen der Parteien zu 38 Thesen – die Themen Altern und demographischer Wandel sind aber nicht dabei. Im Vorfeld der Bundestagswahl haben wir daher zusammengetragen, welche Ziele die fünf großen Parteien in Deutschland in ihren Parteiprogrammen im Hinblick auf den demographischen Wandel definieren. Die Stichpunkte sind Arbeit für Ältere, Rentenalter, Gestaltung der Berufsbiografie, Weiterbildung, Altersdiskriminierung sowie Altersbilder, Ehrenamt, Generationenverhältnis und Gesundheit.
Dafür haben wir die Parteiprogramme hinsichtlich wichtiger Schlagworte unserer Empfehlungen untersucht. Die Auflistung der entsprechenden Passagen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und die Akademiengruppe leitet daraus keine Wahlempfehlung ab.
Weiterbildung / Lebenslanges Lernen
Parteien
SPD
Wir fördern die Qualifizierung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Qualifizieren statt entlassen – das ist unser Prinzip. Wir werden die Angebote fur Weiterbildung massiv ausbauen. Qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben eine bessere Zukunft. (S. 8)
Sicherung des Fachkräftebedarfs. Wir wollen eine Weiterbildung mit System und Rechtsansprüchen. Die Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an Weiterbildungsmaßnahmen ist in Deutschland mit 43 Prozent zu gering. Wir wollen sie bis 2015 auf mindestens die Hälfte erhöhen. Insbesondere sollen Geringqualifizierte verstärkt an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen können. (S. 35)
Vorausschauende Personalentwicklungsplanung. Die Belegschaften in den Betrieben werden älter. Darum kann eine vorausschauende Personalentwicklungsplanung sowohl das Qualifikationsniveau der Belegschaften als auch alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen verbessern. (S. 37)
Lebenslanges Lernen verbindet die Generationen. Wir setzen uns dafür ein, dass Alt und Jung Zugang zu Bildung und Weiterbildung haben. (S. 65)
CDU/CSU
Wir streben eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung vor allem von Älteren und Frauen an und ermutigen zu mehr Bildungs- und Weiterbildungsanstrengungen. Wir werden die Programme zur Eingliederung Älterer in den Arbeitsmarkt konsequent fortführen. (S. 31)
Wir wollen generationenübergreifende Projekte ermöglichen und für sinnvolle Teilhabe-, Beschäftigungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Älteren nach ihrer aktiven Berufstätigkeit sorgen. (S. 40)
Wir setzen auf Aufstieg durch Bildung und lebenslanges Lernen – unabhängig von finanzieller Lage und sozialer Herkunft. Arbeitnehmer müssen ihre berufliche Weiterqualifizierung verlässlich planen können. Lernzeitkonten wollen wir vor betrieblichen Insolvenzen schützen. (S. 48)
Die Grünen
Wir brauchen mehr Betreuung, bessere Bildung und mehr Angebote für lebenslanges Lernen sowie gut ausgebildete LehrerInnen und PädagogInnen. Im Bildungskapitel zeigen wir, was das für uns bedeutet. (S. 27)
Mit Qualifizierung und Weiterbildung wollen wir Arbeitslosen neue Chancen eröffnen und gleichzeitig den in vielen Branchen entstehenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Besondere Zielgruppe unserer Weiterbildungskampagne sind geringqualifizierte Beschäftigte oder Arbeitslose, die in Deutschland häufig nicht von den Bildungsangeboten erreicht werden oder strukturell benachteiligt sind. 50 Prozent aller Weiterbildungsangebote der Bundesagentur für Arbeit sollen für Geringqualifizierte reserviert sein und wiederum 50 Prozent dieser Angebote sollen zu einem anerkannten Berufsabschluss führen. Wir wollen im Jahr 100.000 Menschen qualifizieren und weiterbilden. (S. 80)
Die Lebensrealität älterer Menschen, aber auch die Realitäten des Arbeitsmarktes haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt und werden dies auch weiter tun. Viele Menschen können und wollen auch im Alter tätig sein. In den Betrieben muss sich die Kultur der Altersarbeit in Deutschland noch entscheidend verändern. Derzeit herrscht auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch immer der Jugendwahn. Jedes zweite Unternehmen beschäftigt keine Über-50-Jährigen. Berufliche Weiterbildung, altersgerechte Arbeitsplätze und Gesundheitsförderung sind das Gebot der Stunde, werden aber in den wenigsten Unternehmen umgesetzt. (S. 96)
Wir wollen Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen für alle Menschen möglich und attraktiv machen. […] die oder der 50-Jährige bei ihrem Wunsch nach Qualifizierung unterstützt werden. Zentrale Voraussetzung dafür ist die Einführung eines Erwachsenen-BAföG, das keine Altersgrenzen und Berufsbeschränkungen kennt. Durch einen Mix von Zuschüssen und Darlehen können Berufsabschlüsse nachgeholt und Weiterbildungen finanziert werden. Außerdem sollen Arbeitszeitkonten für Weiterbildung genutzt werden. Sie müssen beim Arbeitsplatzwechsel mitgenommen werden können und gegen Insolvenz geschützt sein. Individuelles Bildungssparen soll für alle Menschen ähnlich wie das Bausparen möglich sein und vor allem für Geringverdiener besonders staatlich gefördert werden. Nötig sind außerdem eine gute Bildungsberatung für alle, die über passende Angebote und Finanzierungsmöglichkeiten informiert, und besondere Beratungsangebote für kleine und mittlere Betriebe, damit die betriebliche Weiterbildung ausgeweitet wird. (S. 108)
FDP
Die überwiegende Mehrheit der Bürger ist bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit. Ihre Bereitschaft, sich zu engagieren und zu beteiligen, möchte die FDP fördern und nutzen. Wir können es uns nicht länger leisten, Kenntnisse, Kompetenz und Kreativität älterer Menschen brachliegen zu lassen. Die FDP fordert daher den Wegfall aller Altersgrenzen für Arbeit, den Aufbau eines Altersmanagements in den Unternehmen (das heißt persönliches Training und individuelle Förderung älterer Mitarbeiter), den Ausbau des lebenslangen Lernens, stärkere Förderung des bürgerschaftlichen Engagements sowie mehr Angebote zur gesellschaftlichen und politischen Mitwirkung für die ältere Generation.(S. 37)
Die berufliche Weiterbildung als lebensbegleitendes Lernen ist eine starke Säule des Bildungssystems. Förderangebote für Schulabgänger im Übergang in eine berufliche Ausbildung müssen in enger Abstimmung mit dem Berufsausbildungssystem erfolgen. Ziel dieser Fördermaßnahmen muss die Einmündung in eine berufliche Ausbildung sein und darf nicht zu einer „Maßnahmenkarriere“ führen. (S. 46)
Lebenslanges Lernen – Leitgedanke liberaler Bildungspolitik. Wir brauchen ein Bildungssystem, das sich an den Lebensphasen eines Menschen ausrichtet und dafür spezifische Angebote entwickelt. Wir müssen die Chancen der frühkindlichen Förderung konsequent nutzen, mit neuen Lernformen in der Schulzeit ernst machen und Potenziale der Älteren besser als bisher durch altersgerechte Weiterbildung erhalten. […]
Wir wollen einen Bildungspakt der Generationen, in dem sich Bürger mit Berufserfahrung, besonders auch junge Menschen, freiwillig engagieren und Kindern und Jugendlichen helfen. Auch Unternehmen sollten verstärkt mit Schulen und anderen Einrichtungen in ihrer Region kooperieren. (S. 47)
Wir stehen für Bildung als Bürgerrecht. Bildung ist der wertvollste Rohstoff unseres Landes und eröffnet viele Lebenschancen. Wir wollen allen Menschen eine optimale Bildung, Ausbildung und Weiterbildung ermöglichen. (S. 77)
Die Linke
• für ältere Beschäftigte durch Weiterbildung, gesundheitliche Prävention und altersgerechte Arbeitsbedingungen bessere Möglichkeiten schaffen, bis zum Eintritt in die Rente versicherungspflichtig tätig zu sein (S. 9)
• Gesetze von Bund und Ländern zu einer Erwachsenenbildungsförderung ausbauen und allen Menschen – unabhängig vom Geldbeutel – lebenslanges Lernen ermöglichen; (S. 35)
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Altern in Deutschland
- Es ist es notwendig geworden, während der Erwerbstätigkeit immer wieder dazu zu lernen und auch ganz Neues zu lernen. Lernen kann zum Bindeglied werden zwischen wechselnden beruflichen Tätigkeiten, aber auch zwischen Beruf und Familie und Beruf, Familie und Ruhestand.
- Arbeit im Alter ist zu individualisieren: je nach Fähigkeit und Wunsch sollte es möglich sein, länger im letzten Beruf zu verweilen, als es das gegenwärtige Arbeitsrecht und tarifliche Bestimmungen vorsehen, oder nach gewisser Zeit in ihn zurückzukehren, sowie als Rentner in einem neuen Beruf erwerbstätig zu sein oder im Ehrenamt gegen Entgelt zu arbeiten.
- Neben tarifvertragliche Regelungen zum lebenslangen Lernen sollten staatlich gefördertes Bildungssparen und in jedem Alter erhältliche Bildungskredite treten.
- Von fünf Tagen im Jahr zu „fünf Jahren“ im Leben: Weiterbildung sollte zum normalen Bestandteil der Erwerbsarbeit werden. Beteiligung an Weiterbildung sollte sich in Rentenansprüchen niederschlagen.
- Der berufliche Wiedereinstieg insbesondere von Frauen nach (auch kurzen) Familienzeiten sollte auch durch passende Qualifizierungsangebote, die schon während der Familienzeit einsetzen, gefördert werden.
- Eine anspruchsvolle Qualitätskontrolle der bestehenden Bildungsangebote sollte entwickelt und eingesetzt werden (z. B. DIN-Normen). Dazu zählen auch die Entwicklung einer Ausbildungsordnung für Erwachsenenbildner sowie wissenschaftlich fundierte Effizienzstudien im Bereich der Weiterbildung.
- Eine stärkere Vernetzung der verschiedenen Anbieter von Weiterbildung. einschließlich der Durchlässigkeit hin zu sekundären und tertiären Bildungsabschlüssen, ist anzustreben. Angebote könnten modularisiert werden und dann in wechselnden Zusammenstellungen zertifiziert werden, damit Angebote aus Betrieb, beruflicher und allgemeiner Weiterbildung verknüpft werden und zeitlich und finanziell besser gestreut werden können.
- Gesundheits- und Entwicklungsbildung (z.B. gesundheitliches Präventionswissen, Strategien der Gestaltung eines erfüllten längeren Lebens) sollten Bestandteil des Curriculums schon in der Primarstufe sein. Die möglichst frühe Ausbildung von gesundheitsförderlichen Gewohnheiten und lebensgestalterischen Fertigkeiten ist eine wesentliche Voraussetzung für ein langes, gesundes und erfülltes Leben unabhängig von Bildungsniveau und sozio-ökonomischem Status.
