Bundestagswahl
Altern in Deutschland: Was sagen die Parteien?
Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl der Bundeszentrale für politische Bildung vergleicht die Positionen der Parteien zu 38 Thesen – die Themen Altern und demographischer Wandel sind aber nicht dabei. Im Vorfeld der Bundestagswahl haben wir daher zusammengetragen, welche Ziele die fünf großen Parteien in Deutschland in ihren Parteiprogrammen im Hinblick auf den demographischen Wandel definieren. Die Stichpunkte sind Arbeit für Ältere, Rentenalter, Gestaltung der Berufsbiografie, Weiterbildung, Altersdiskriminierung sowie Altersbilder, Ehrenamt, Generationenverhältnis und Gesundheit.
Dafür haben wir die Parteiprogramme hinsichtlich wichtiger Schlagworte unserer Empfehlungen untersucht. Die Auflistung der entsprechenden Passagen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und die Akademiengruppe leitet daraus keine Wahlempfehlung ab.
Bürgerschaftliches Engagement / Ehrenamt
Parteien
SPD
Wir wollen, dass sich Ältere im öffentlichen und politischen Leben ohne Einschränkung beteiligen und ihre Lebenserfahrung einbringen können. (S. 6)
Bürgerschaftliches Engagement ist für uns unverzichtbar, wenn es darum geht, Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Solidaritat, Eigenverantwortung und Teilhabe in unserer Gesellschaft zu aktivieren und zu pflegen. Wir setzen nach wie vor auf die Vielfalt des Engagements in Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Selbsthilfegruppen, Stiftungen, Freiwilligendiensten, Netzwerken und anderen Organisationen mit Ehrenämtern. (S. 59)
Mitverantwortung in unserer Gesellschaft ist auch für die gesellschaftliche Beteiligung und die Lebenszufriedenheit des einzelnen Menschen wichtig. Damit das Leitbild der Mitverantwortung verwirklicht werden kann, setzen wir uns dafur ein, dass in unserer Gesellschaft ältere Menschen viel starker als aktive und kompetente Bürgerinnen und Bürger angesprochen und einbezogen werden. (S. 65)
Der Sozialstaat braucht organisierte Solidarität – und Menschen, die für einander einstehen, in Vereinen, Verbänden, Initiativen, Stiftungen und Freiwilligendiensten. Besonders ältere Menschen zeigen eine wachsende Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Wir werden die Rahmenbedingungen und finanzielle Unterstützung für Ehrenamtliche weiter verbessern. (S. 59)
Teilhabe in der älter werdenden Gesellschaft: Aktive Teilhabe. Wir wollen mehr Mitwirkung und Mitbestimmung fur Ältere in der Gesellschaft und in der Politik. Wir werden generationenübergreifende Freiwilligendienste fördern und setzen uns fur die Einrichtung von Seniorenbeiraten ein. (S. 64)
CDU/CSU
Zur aktiven Bürgergesellschaft ermutigen: CDU und CSU wollen, dass die Gesellschaft in Deutschland ein menschliches Gesicht zeigt und behält. Das ehrenamtliche Engagement und der bürgerschaftliche Einsatz vieler Frauen und Männer bereichern unsere Gesellschaft. Freiheit und Verantwortungsbereitschaft gehören zusammen. Wir wollen eine neue Partnerschaft von Bürgern und staatlichen Institutionen nach dem Konzept der „aktiven Bürgergesellschaft“. Wir wollen Eigeninitiative und Selbstorganisation der gesellschaftlichen Gruppen stärken und so eine neue Balance zwischen Eigen- und Gemeinwohl herbeiführen. Wir wollen ehrenamtliches Engagement erleichtern, die Bürgerinnen und Bürger zu ehrenamtlichem Engagement ermutigen und den ehrenamtlich Tätigen den Rücken stärken. Mit dem Zukunftsprojekt „Ehrenamt“ werden wir dafür exemplarische Beispiele unterstützen. (S. 54)
Wir wollen generationenübergreifende Projekte ermöglichen und für sinnvolle Teilhabe-, Beschäftigungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Älteren nach ihrer aktiven Berufstätigkeit sorgen. Kirchen, Bürgerstiftungen, Verbände und Wirtschaft können bei der Schaffung eines ehrenamtlichen Netzwerkes zur Familienunterstützung wichtige Arbeit leisten. Wir begrüßen und fördern auch die Initiative von Älteren, sich zu Netzwerken und Freiwilligenagenturen zusammenzuschließen, um ihre Lebens- und Berufserfahrung weiterzugeben. Mit den Freiwilligendiensten aller Generationen soll das flexible, für alle Altersgruppen geöffnete Dienstangebot Schritt für Schritt bundesweit flächendeckend umgesetzt und mit den Strukturen vor Ort vernetzt werden. (S. 40)
Die Grünen
Wir wollen eine Bürgergesellschaft, die auf die Kompetenz Älterer nicht verzichtet und ihr Engagement unterstützt. (S. 120)
Demokratie braucht bürgerschaftliches Engagement: Gerade weil unsere Partei aus Bewegungen entstanden ist und den Gedanken von Einmischung, Eigeninitiative und Engagement in sich trägt, wissen wir um die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements. Bürgerschaftliches Engagement muss integraler Bestandteil unserer Gesellschaft sein und ist kein Ersatz für staatliche Aufgaben. Wir sehen im Engagement sowohl die Notwendigkeit und Chance für die Gesellschaft wie für die und den Einzelnen. Engagement bedeutet soziale und kulturelle Teilhabe und persönliche Weiterentwicklung für jede und jeden von uns. Für die Zukunft unseres Gemeinwesens bedeutet Engagement Kreativität und Solidarität. Wir wollen dieses Engagement stärken und dafür sorgen, dass es die notwendige Unterstützung bekommt. Menschen, die sich freiwillig und unentgeltlich engagieren, wollen wir fördern und denjenigen, die es nicht tun, den Zugang erleichtern. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, wenig Bürokratie, sich öffnende Institutionen, Anerkennung und kompetente Anlaufstellen vor Ort. Deshalb werden wir uns für die Sicherung von Infrastruktureinrichtungen einsetzen. Eine lebendige Zivilgesellschaft braucht die Einmischung, Kreativität und die Beteiligung vieler Menschen, ob jung oder alt, das zeichnet sie aus. (S. 162f.)
FDP
Die überwiegende Mehrheit der Bürger ist bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit. Ihre Bereitschaft, sich zu engagieren und zu beteiligen, möchte die FDP fördern und nutzen. Wir können es uns nicht länger leisten, Kenntnisse, Kompetenz und Kreativität älterer Menschen brachliegen zu lassen. Die FDP fordert daher […] stärkere Förderung des bürgerschaftlichen Engagements sowie mehr Angebote zur gesellschaftlichen und politischen Mitwirkung für die ältere Generation. (S. 37)
Nach liberaler Überzeugung lassen sich die vielfältigen Folgeprobleme der demographischen Entwicklung am besten durch Einbeziehung der älteren Generation lösen - durch Mitsprache und Mitarbeit. Ältere Menschen sollten so lange aktiv sein, wie sie selber wollen. (S. 37)
Für Liberale ist bürgerschaftliches Engagement Ausdruck einer lebendigen Bürgerkultur. Bürgerschaftliches Engagement braucht den ermöglichenden, nicht den gewährenden Staat. Ziel der FDP ist die Schaffung von Freiräumen für bürgerschaftliche Organisationen. Hürden, wie die verschuldensunabhängige Haftung ehrenamtlich tätiger Vereinsvorstände, sind abzubauen. Die FDP will neue innovative Ansätze des bürgerschaftlichen Engagements fördern. Hierzu gehört eine das Engagement unterstützende Infrastruktur wie Freiwilligenagenturen und Seniorenbüros. Regelmäßig ehrenamtlich tätige Bürger sollen Zertifikate erhalten, diese sollen bei der Einstellung in den öffentlichen Dienst und bei Beförderung sowie in der Schule bei Zeugnissen berücksichtigt werden. (S. 39)
Die Linke
Mehr auf die Bürgerin und den Bürger setzen: Freiwilliges bürgerschaftliches Engagement bereichert das gesellschaftliche Leben. Darin spiegeln sich die Fähigkeiten und der Mut der Bürgerinnen und Bürger, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen. Eine demokratische Gesellschaft lebt von diesem Engagement. DIE LINKE tritt für eine umfassende Förderung des bürgerschaftlichen Engagements ein. Freiwillige ehrenamtliche Arbeit darf nicht als Lückenbüßer für einen Abbau des Sozialstaates missbraucht werden. Sie darf auch nicht nur eine Sache derer sein, die es sich leisten können. Für Erwerbslose und Geringverdienende, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen müssen die gleichen Teilhabemöglichkeiten gesichert werden.
Freiwilligenarbeit, Selbsthilfe und Ehrenamt müssen in Staat und Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen. Gerade weil Bürgerengagement nicht auf materiellen Gewinn gerichtet ist, muss es durch eine wirksame Anerkennungskultur gewürdigt werden.
Die Linke fordert:
• rechtliche, finanzielle, versicherungstechnische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen für die ehrenamtliche Arbeit verbessern;
• Aufwendungen für bürgerschaftliches Engagement bzw. pauschale Aufwandsentschädigung als direkte Zuwendung erstatten und nicht auf staatliche Leistungen anrechnen;
• Möglichkeiten zum Erproben und zur kostenlosen Fortbildung der Freiwilligen in unterschiedlichen Engagementfeldern fördern. (S. 48)
nach oben 
Altern in Deutschland
- Um das zivilgesellschaftliche Engagement der Alten zu fördern, sind die Fertigkeiten und Leistungen höher zu gewichten, die insbesondere Ältere besitzen oder erbringen können: durch das Angebot entsprechender Arbeitsmöglichkeiten auch in gewerblichen und öffentlichen Institutionen, durch Werbung und dringende Einladung zur Mitarbeit, durch Erstattung von Unkosten, durch öffentliche Anerkennung des „Ehrenamts“. Im Bewusstsein und Verhalten gegenüber Freiwilligen muss deutlich werden, dass vor allem der Bürger das Subjekt der Aktivitäten ist, dem die Verwaltung zur Seite steht, und nicht umgekehrt.
- Mit der Förderung einer neuen Kultur des Ehrenamtes soll darauf hingewirkt werden, dass bereits früh im Leben mit zivilgesellschaftlichem Engagement begonnen wird. Wer solche Erfahrungen im frühen und mittleren Erwachsenenalter gemacht hat, ist im Alter eher geneigt und in der Lage, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren.
- Zivilgesellschaftliches Engagement muss durch gezielte Qualifizierungsangebote vorbereitet und begleitet werden. Umgekehrt kann die Aussicht auf ehrenamtliche Tätigkeit dazu genutzt werden, zur Weiterbildung zu motivieren. Die Förderung von Organisationen in diesem Bereich sollte daran gekoppelt werden, dass sie ihre „Ehrenamtlichen“ qualifizieren.
- Analog zur Vereinbarkeit von Familientätigkeit und Erwerbsarbeit sind neue Modelle zur Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und freiwillig-unentgeltlichem Engagement zu entwickeln und zu fördern. Gefordert ist hier neben dem Gesetzgeber auch die Personalpolitik der Unternehmen, um
- etwa durch entsprechende Teilzeitregelungen – die Vereinbarkeit zu erleichtern.
- Kommunen und andere öffentliche Träger sollen für Kontakt- und Informationsstellen sorgen, an denen sich das freiwillige Engagement Älterer andocken kann. Anzustreben ist eine Organisationsstruktur als lockerer Rahmen, in dem freiwilliges Engagement sich in Selbstorganisation entfalten kann.
