Bundestagswahl
Altern in Deutschland: Was sagen die Parteien?
Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl der Bundeszentrale für politische Bildung vergleicht die Positionen der Parteien zu 38 Thesen – die Themen Altern und demographischer Wandel sind aber nicht dabei. Im Vorfeld der Bundestagswahl haben wir daher zusammengetragen, welche Ziele die fünf großen Parteien in Deutschland in ihren Parteiprogrammen im Hinblick auf den demographischen Wandel definieren. Die Stichpunkte sind Arbeit für Ältere, Rentenalter, Gestaltung der Berufsbiografie, Weiterbildung, Altersdiskriminierung sowie Altersbilder, Ehrenamt, Generationenverhältnis und Gesundheit.
Dafür haben wir die Parteiprogramme hinsichtlich wichtiger Schlagworte unserer Empfehlungen untersucht. Die Auflistung der entsprechenden Passagen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und die Akademiengruppe leitet daraus keine Wahlempfehlung ab.
Altersbilder / Altersdiskriminierung / Altersgrenzen
Parteien
SPD
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CDU/CSU
Wir begrüßen die Vielfalt, in der Ältere ihr Leben heute gestalten. Dadurch werden letztlich neue Vorstellungen vom Alter als positivem Lebensabschnitt geprägt. Die Vorstellungen müssen fester Bestandteil unserer Gesellschaftspolitik werden. […] Wir lehnen jegliche Form der Altersdiskriminierung ab. Wir setzen uns für eine vorurteilsfreie Prüfung bestehender Altersgrenzen, beispielsweise bei öffentlich bestellten Gutachtern, bei ehrenamtlichen Schöffen oder bei Professoren, ein. Wir fordern alle Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf, faktische Altersgrenzen in den Köpfen und im Handeln einzureißen. (S. 39f.)
Die Grünen
In den Betrieben muss sich die Kultur der Altersarbeit in Deutschland noch entscheidend verändern. Derzeit herrscht auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch immer der Jugendwahn. Jedes zweite Unternehmen beschäftigt keine Über-50-Jährigen. Berufliche Weiterbildung, altersgerechte Arbeitsplätze und Gesundheitsförderung sind das Gebot der Stunde, werden aber in den wenigsten Unternehmen umgesetzt. (S. 96)
Wir wollen Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen für alle Menschen möglich und attraktiv machen. Zentrale Voraussetzung dafür ist die Einführung eines Erwachsenen-BAföG, das keine Altersgrenzen und Berufsbeschränkungen kennt. (S. 108)
Das Bedürfnis nach Individualität und Selbstbestimmung endet nicht an einer bestimmten Altersgrenze, sondern muss lebenslang erfüllt werden. Wir treten daher für Wohn-, Pflege- und Hilfeangebote ein, die diesen Bedürfnissen gerecht werden und allen Menschen, egal wie alt und wie hilfebedürftig sie sein mögen, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. (S. 121)
FDP
Die überwiegende Mehrheit der Bürger ist bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit. Ihre Bereitschaft, sich zu engagieren und zu beteiligen, möchte die FDP fördern und nutzen. Wir können es uns nicht länger leisten, Kenntnisse, Kompetenz und Kreativität älterer Menschen brachliegen zu lassen. Die FDP fordert daher den Wegfall aller Altersgrenzen für Arbeit […] (S. 37)
Die Linke
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Altern in Deutschland
- Mit dem Anstieg des Rentenalters sollten die formalen und informellen Altersgrenzen für die Besetzung von politischen Wahlämtern fallen, um sowohl die Leistungsfähigkeit der Älteren als auch ihre volle Zugehörigkeit zur politischen Gemeinschaft symbolisch deutlich zu machen.
- Trotz des demographischen Wandels und der hohen Wahl- und Organisationsbeteiligung der älteren Generation ist die Gefahr einer politischen Exklusion vor allem der Ältesten keineswegs gebannt. Interessenverbände, die sich der besonderen Belange älterer Bürger annehmen, sollten in einer Demokratie mit alternder Bevölkerung nicht nur geduldet, sondern begrüßt und gefördert werden.
- Gesetzliche und andere Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung älterer Menschen in Arbeit, Politik und Gesellschaft sind dringend erforderlich. Sie müssen dafür sorgen, dass die Einladung an die wachsende Zahl älterer Bürger, sich weiterhin am wirtschaftlichen und sozialen Leben zu beteiligen, glaubwürdig wird.
- Alle vereinheitlichenden Altersbilder und Altersstereotype sind kritisch zu überprüfen. Demgegenüber soll die Vielfalt des individuellen Alterns hervorgehoben werden, die für die heutige Wirklichkeit kennzeichnend ist.
- Es ist möglich, sich – in gegebenen Grenzen – für die gewonnenen Lebensjahre gesund und geistig fit zu erhalten. Dafür sind Lern-, Arbeits- und Lebenskontexte notwendig, die es in allen Lebensphasen ermöglichen und erleichtern, das eigene Potential weiter auszuschöpfen und dadurch die gewonnenen Jahre besser zu nutzen als bisher. Es ist jedoch erforderlich, die immer noch in unseren Köpfen und in der Öffentlichkeit lebendigen Bilder von herkömmlichen Lebenswegen und von einem einseitig negativ geprägten Altern zu revidieren. Denn solche Bilder sind enorm einflussreich, wenn es um unsere Lebensplanung und um unsere Lebensentscheidungen geht. Sie prägen das, was sich Menschen zutrauen, und haben sehr starken Einfluss auf tatsächliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität, ja sogar auf die Lebensdauer selbst.
- Das Leitbild des „aktiven Seniors“ ist um Erwerbsarbeit, Freiwilligenarbeit, Familienarbeit sowie Fort- und Weiterbildung zu erweitern.
- In Frage zu stellen ist die erst im 20. Jahrhundert entstandene strikte Trennung zwischen Erwerbsphase und Ruhestand. Das mittlere Lebensalter soll vermehrt für Bildungs-, Familien und Freizeitphasen geöffnet werden, das Alter für Erwerbsarbeit und Bildung.
- Die Überwindung von immer noch vorhandenen und wirkungsmächtigen negativen Altersbildern und Stereotypen ist anzustreben. Dies schließt die Kritik abwertender Begrifflichkeiten mit ein, wie z.B. „Überalterung“, „Alterslast“, „Rentenlast“, „Rentnerberg“ oder „alternde Gesellschaft“.
- Gesamtwirtschaftlich ist heute klar, dass die frühe Abdrängung Älterer aus dem Erwerbsleben nicht notwendigerweise zur Folge hat, den Zugang der Jüngeren zur Erwerbsarbeit zu erleichtern. Sowohl in einzelnen Wirtschaftsunternehmen als auch in anderen Organisationen, etwa dem öffentlichen Dienst, besteht allerdings ein enormes Defizit an Strategien des Age-Managements, um Fluktuation in Führungspositionen und Aufstieg von Jüngeren zu ermöglichen, ohne zugleich die Chancen von Älteren zu beeinträchtigen. Der Kampf gegen Altersdiskriminierung in der Arbeitswelt und der Einsatz für das Recht auf Beschäftigung der Älteren sollte auf die Agenda der Interessenvertretungen und politischen Akteure rücken. Wer ein positives Meinungsklima für die stärkere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen will, sollte somit für eine intensive Diskussion über Altersbilder und -stereotype bei Arbeitgebern, Arbeitnehmern und ihren Organisationen eintreten.
