Problemstellung

Der Anteil der älteren und alten Menschen an der Bevölkerung wächst derzeit in einem historisch unbekannten Ausmaß. Immer mehr Menschen erreichen in Deutschland ein immer höheres Alter und bleiben dabei immer länger körperlich und geistig gesund. Andererseits sind die Ordnung unserer Gesellschaft, ihre Institutionen und die damit verknüpfte Kultur, das Selbstverständnis und die Gewohnheiten noch durch eine Zeit geprägt, in der eine durchschnittlich kürzere Lebenserwartung, weniger alte Menschen und eine größere Dominanz von jungen und erwachsenen Menschen die Normalität darstellten.

Auch in vielen anderen Institutionen und politischen Handlungsfeldern besteht eine Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten einer älter werdenden und lange relativ gesund bleibenden Bevölkerung und den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen diese Möglichkeiten auch genutzt werden können. Daraus ergibt sich in doppelter Hinsicht ein Problem.

Die Beschreibung der Chancen und Probleme enthält immer einen normativen Bezug. Vorstellungen vom menschenwürdigen Leben sind konstitutiv, wenn es – über das Ziel der Gewährleistung von Leben und Gesundheit auf elementarster Ebene hinaus – um die „Optimierung“ der Lebens- und Entwicklungsbedingungen älterer und alter Menschen geht. Gehört Arbeit wenn auch nicht unbedingt Erwerbsarbeit zum menschenwürdigen Leben, welche, inwiefern? In welchem Sinn ist Autonomie der Lebensführung unabdingbar oder aber auch begrenzt eintauschbar gegen ein längeres Überleben? Warum soll man auch noch im Alter neugierig sein und lernen wollen? Könnte man der Vision einer lernfähigen, aktiven, selbstbestimmten, zu weiterer Entwicklung führenden Altersphase nicht auch das Recht auf Ruhe, Stillstand, ja Rückentwicklung setzen?

Hinzu kommt ein potentielles Gerechtigkeitsproblem, wenn zur Alimentierung Älterer die Leistung jüngerer Menschen gefordert wird, ohne dass dies durch eindeutige Leistungsfähigkeitsdifferenzen zwischen beiden begründet wäre.

Vor diesem Hintergrund führte die AG auch eine Diskussion über die Kriterien, die die Qualität des Alterns definieren. Dabei warendie Unterschiede zwischen den Geschlechtern ebenso zu berücksichtigen wie diejenigen zwischen verschiedenen Lebensstil- und sozialen Gruppen.