Forsa-Umfrage stellt Ergebnisse zu "Altern in Deutschland" vor

Ältere in Deutschland sind fit und wollen aktiver sein.

Berlin, 21.4.2008. Deutschlands Senioren gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Knapp drei Viertel (74 Prozent) der 60- bis 80-Jährigen fühlen sich fit. 24 Prozent der heute nicht erwerbstätigen Älteren würden sich wünschen, eine bezahlte Tätigkeit auszuüben. Auch die Bereitschaft der Älteren zum freiwilligen Engagement ist groß und noch längst nicht ausgeschöpft. Das ergab eine von der Akademiengruppe Altern in Deutschland in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage der forsa. Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse. Befragt wurden bundesweit 1.003 Personen zwischen 60 und 80 Jahren zum Thema "Altern in Deutschland".

Den Ruhestand würde so mancher gern in einen Unruhestand verändern. Von den Befragten zwischen 60 und 80 Jahren sind zwar nur noch 14 Prozent erwerbstätig. Doch ein knappes Viertel (24 Prozent) der nicht Erwerbstätigen würde sich wünschen, eine bezahlte Tätigkeit auszuüben. Vor allem rund 40 Prozent der durch Frühruhestandsregelungen freigesetzten 60- bis 65-Jährigen würden gerne weiter arbeiten. Immerhin wären aber auch noch 17 Prozent der 70- bis 74-Jährigen und zwölf Prozent der 75- bis 80-Jährigen gern erwerbstätig. "Es gibt Hinweise, dass viele etwas anderes tun möchten als vorher im Berufsleben. Viele ziehen im Alter kürzere Arbeitszeiten und mehr Freiheit vor. Doch die Zahl der prinzipiell Erwerbsbereiten ist unerwartet groß. Hochgerechnet sind das 3,5 Millionen von den derzeit nicht erwerbstätigen 60- bis 80-Jährigen", sagte Prof. Dr. Jürgen Kocka, Sprecher der Akademiengruppe Altern in Deutschland. Nach Ansicht seiner Stellvertreterin Prof. Dr. Ursula M. Staudinger (Jacobs University Bremen) fehlen noch attraktive und passende Tätigkeitsangebote, und die finanziellen Anreize sind besonders bei den Frühruheständlern eindeutig gegen eine weitere Berufstätigkeit gerichtet. "Sonst wäre der Anteil der zur Erwerbstätigkeit bereiten Älteren wahrscheinlich noch höher", sagte Staudinger.

Aktiv ist die ältere Generation auch in der freiwilligen Bürgerarbeit. 53 Prozent der 60- bis 80-Jährigen geben in der Umfrage an, Mitglied in einer Gruppe, einem Verein, einer Nachbarschaftshilfe, einer Bürger-initiative oder Ähnlichem zu sein. Und von den bisher nicht Engagierten kann sich immerhin jeder Vierte vorstellen, aktiv zu werden. "Die Älteren stellen ein großes Potential für die Zivilgesellschaft in Deutschland dar, das noch lange nicht ausgeschöpft ist", so Kocka.

Entgegen verbreiteten Vorurteilen beschäftigen sich erstaunlich viele Seniorinnen und Senioren mit Neuem. 65 Prozent der Älteren geben an, sich in den letzten vier Wochen mit neuen Themen und Dingen beschäftigt zu haben. "Das widerspricht dem landläufigen Altersstereotyp der fehlenden Flexibilität und Rückwärtsgewandtheit", so Staudinger. Diese Offenheit gegenüber neuen Dingen und Themen sei ein Hinweis auf Neugier und Lerninteresse, die auch bei Älteren nicht fehlen müssen.

Vielen macht der Ruhestand Spaß - aber manch einem fehlt das gewisse Etwas. Besonders deutlich kommt dies bei den Menschen zum Ausdruck, die gerne noch arbeiten würden. Zwar ist die Mehrheit der Befragten mit ihrem Ruhestand nicht unzufrieden - nur 19 Prozent antworten, dass sie sich unglücklicher fühlen als in der Lebensphase zwischen 50 und 60, - doch neben der Arbeit gibt es bei den Senioren auch Kritik an den Lebensumständen. Ein knappes Drittel der Befragten findet, dass ihr Lebensumfeld eher nicht auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingerichtet ist. "Hier besteht Handlungsbedarf", sagte Kocka.

Die Akademiengruppe Altern in Deutschland ist das größte inter-disziplinäre Forschungsprojekt zum Thema "Alternde Gesellschaft" in Deutschland. Sie versammelt rund 20 führende Wissenschaftler. Momentan arbeitet die Gruppe an Empfehlungen für die Politik und die Öffentlichkeit, wie Deutschland sich am besten auf den demographischen Wandel vorbereiten kann. Die Akademiengruppe ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit November 2007 Nationale Akademie) und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Sie wird von der in Zürich ansässigen Jacobs-Stiftung für die Dauer von drei Jahren (2006-2008) finanziell gefördert.

Für Interviewanfragen und Informationen inhaltlicher Natur wenden Sie sich bitte an:
Dr. Katja Patzwaldt
Jacobs University Bremen
Jacobs Center on Lifelong Learning and Institutional Development

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28759 Bremen

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