Gewonnene Jahre

gewonnene jahreZu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug bei der Geburt die Lebenserwartung der Frauen in Deutschland 48 und die der Männer 45 Jahre. Heute liegt sie bei 82 und 77 Jahren. Die demographische Entwicklung hat das Leben der Menschen im Durchschnitt erheblich verlängert. Gleichzeitig erreicht man das höhere Alter auch bei besserer Gesundheit. Und der Trend setzt sich fort: Zukünftige Generationen werden noch länger und gesünder leben. Das ist die Voraussetzung dafür, den demographischen Wandel in eine Chance zu verwandeln.

Alter braucht Vorbereitung: Die Aussicht auf ein längeres Leben sollte so früh wie möglich in die persönliche Lebensgestaltung einfließen. Nur wer seine Gesundheit erhält, kann das längere Leben umfassend nutzen. Der Gesetzgeber sollte Bürgerinnen und Bürger deshalb bei der frühzeitigen Vorsorge unterstützen – etwa durch breit angelegte und möglichst früh einsetzende Bildungsprogramme und eine Stärkung der präventiven Medizin. aktiv auf die Revision eines negativ geprägten Altersbildes hinzuwirken.

Altern ist keine Krankheit. Tatsächlich bleiben wir länger gesund, in den letzten Jahren hat die Dauer der hochaltrigen Krankheits- und Abhängigkeitsphase abgenommen – und eben nicht zugenommen. Die Gesellschaft als Ganzes ist daher aufgefordert, das einseitig negativ geprägte Altersbild zu revidieren. Der Krieg der Generationen fällt aus: Die Produktivität der gewonnenen Jahre bietet auch einer Gesellschaft mit alternder Bevölkerung die Chance auf Wachstum und Wohlstand. Die Nutzung dieses Potenzials geht nicht auf Kosten der jüngeren Generation. Vielmehr kann es nur einer Gesellschaft für alle Lebensalter gelingen, den demographischen Wandel in eine Chance zu verwandeln. Eine notwendige Erneuerung des Generationenvertrags ist daher möglich, ohne dessen unbestrittene Errungenschaften in Frage zu stellen. Dazu bedarf es einer entsprechend ausgerichteten Gesundheits-, Arbeits- und Beschäftigungspolitik.

Elisabeth Steinhagen-ThiessenProf. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen

Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Professorin für Geriatrische Medizin an der Berliner Charité, sprach am 27. Mai 09 beim Hauptstadtkongress Gesundheit und Medizin darüber , welche Medizin eine alternde Gesellschaft braucht.

Webseite des Hauptstadtkongresses Gesundheit und Medizin

Elisabeth Steinhagen-Thiessens Webseite an der Charité

Im Schwerpunkt Gesundheit wirkten außerdem in der Akademiengruppe mit:

Karl Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité

Ulrich Keil, FRCP Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Universität Münster

Kurt Kochsiek, Universität Würzburg

Georg Wick, Institut für Pathophysiologie, Medizinische Universität Innsbruck

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