Altern in Deutschland – Handlungsfeld für Stiftungen
Was ein verlängertes Leben und ein steigender Anteil Älterer in der Bevölkerung für die Gesellschaft bedeuten, war eines der Hauptthemen auf dem Sonderkongress des Bundesverbands Deutscher Stiftungen am 16. September 2010 in Hildesheim. Mitgliedsstiftungen informierten sich und diskutierten über die Empfehlungen der Akademiengruppe.

Prof. Dr. Ursula M. Staudinger, Vizepräsidentin der Leopoldina, hielt den Hauptvortrag zu den Chancen des langen Lebens
Der Sonderkongress „Stiftungshandeln in Zeiten hoher Veränderungsdynamik“ in der Stiftungsuniversität Hildesheim stand auch im Zeichen der gesellschaftlichen und individuellen Herausforderung und Chancen des demographischen Wandels. Prof. Dr. Ursula M. Staudinger, Vizepräsidentin der Leopoldina, führte die Teilnehmer in die Thematik ein. Konkrete Möglichkeiten für Stiftungshandeln wurden am Nachmittag in einem Workshop diskutiert.
Freiwillige schulen und einbinden
Die Stiftungsvertreter zeigten sich besonders interessiert daran, Ältere als Freiwillige zu gewinnen. Insbesondere in der Gruppe der 60-70-Jährigen wächst das bürgerschaftliche Engagement sehr stark, mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Anhand des konkreten Beispiels BegegnungsCentrum Haus im Park der Körber-Stiftung wurde deutlich, dass Menschen ab 50 bis ins hohe Alter dort verfügbare Ressourcen nutzen, um sich vielfältig selbst zu organisieren – von Veranstaltungen über Computerbildung nach eigenen Bedürfnissen bis hin zum Einspielen von Hörbüchern und Pflegediensten für sehr alte, bedürftige Menschen. Besonders wichtig ist es, die Freiwilligen für ihre Aufgaben zu schulen und ihr Engagement in angemessener Weise im Alltagsbetrieb zu verankern. Es steht ein Curriculum zur Schulung älterer Freiwilliger bereit, das im Rahmen des Programms „Erfahrungswissen für Initiativen“ erarbeitet wurde (hier herunterladen).
Stipendien für Auszubildende 50+

Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, Dr. Wilhelm Krull, mit der Vizepräsidentin der Leopoldina, Prof. Staudinger
Der demographische Wandel übt Druck auf die Arbeitswelt und die Gestaltung von Berufsbiographien aus. Ein längeres Leben auch länger in der Erwerbstätigkeit verbringen zu können setzt voraus, dass die beruflichen Anforderungen abwechslungsreich gestaltet und die Folgen von Belastungen rechtzeitig erkannt werden. Tätigkeitswechsel, aber auch Perspektiven weiterer Entwicklung können durch Stipendien und durch Finanzierung von betrieblichen Nachwuchsprogrammen für Menschen ab dem Alter von 50 Jahren oder durch Austauschforen für Betriebe und Berufsgenossenschaften unterstützt und vorangebracht werden.
Während des Workshops berichteten auch kleinere Stiftungen von der positiven Resonanz ihrer Arbeit und dem Aktivitätspotential älterer Menschen. Es wurde deutlich, dass vom Aus- und Umbau kommunaler Infrastruktur über Neunutzung leerstehender Gebäude, Bildungs- und Betreuungsangeboten bis hin zum kulturellen Leben, Ökonomie und Berufsbiographien eine breite Palette an Herausforderungen auf die Gestaltungskraft der älteren Menschen angewiesen ist.
www.stiftungen.org
Ursula M. Staudinger auf Wikipedia
Vgl. auch:
Altern: Familie, Zivilgesellschaft, Politik,
Band 8 der Reihe „Altern in Deutschland“
Herausgegeben von Jürgen KOCKA, Martin KOHLI und Wolfgang STREECK unter unter Mitarbeit von Kai BRAUER und Anna K. SKARPELIS. Altern in Deutschland Band 8, Nova Acta Leopoldina N. F. Bd. 106, Nr. 370 (2009)
