Altersbilder und demografischer Wandel
Fünf Jahre Sendereihe "Lebenszeit"

Von Miriam Buchmann-Alisch

Jeden Freitag ab 10:10 Uhr thematisiert die Sendereihe "Lebenszeit" des Deutschlandfunks Fragen rund um den gesellschaftlichen Wandel und die Veränderung unseres individuellen Altersbildes. Neben Gesprächen mit Studiogästen bietet sie Reportagen, Porträts, Live-Schaltungen und häufig eine rege Hörerbeteiligung – mit vielfältigen Erfahrungen, Diskussionsbeiträgen und Fragen. Ende des Jahres ist "Lebenszeit" fünf Jahre auf Sendung.

Uhr in WasserDas Sendungskonzept war es von Beginn an, den demografischen Wandel aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. "Auf der einen Seite wollen wir über die Herausforderungen des demografischen Wandels reden, auf der anderen Seite über das Zusammenleben der Generationen. Diese beiden Themen wollen wir zusammenbinden", erklärt Michael Roehl, der gemeinsam mit Andreas Stopp redaktionell für die Sendereihe "Lebenszeit" verantwortlich ist.

Mit Blick auf die ältere Generation erzählen die wöchentlichen Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven von gesellschaftlichen Wandlungsprozessen. Dabei geht es auch um Sichtweisen der jüngeren Generationen oder darum, wie ältere Menschen etwas erlebten, als sie jung waren. Auch die Reaktionen der Zuhörer kommen aus allen Altersgruppen. "Die 25-jährige Studentin ruft genauso an wie der 30-jährige Architekt und der 70-jährige Rentner", sagt Roehl. Tausende von Hörern nutzen darüber hinaus das Angebot, die einzelnen Sendungen über audio-on-demand oder Podcast nachzuhören.

Die Offenheit für unterschiedliche Perspektiven befördert auch die Themenvielfalt. Seit der Auftaktsendung im Januar 2006, die den Titel "Nichts Neues ohne Alte – Braucht Kreativität Erfahrung?" trug, gingen rund 250 Beiträge auf Sendung, die den Wandel von Arbeit, Familie, Freundschaft, Gesundheit, Pflege, Altersbildern, Ernährung, Lebensgefühlen und vielem mehr beleuchteten.

Roehl und seinem Team ist es wichtig, neben gesellschaftspolitisch relevanten Fragen auch das persönliche Erfahrungswissen in der Hörerschaft einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Wie lebhaft die Reaktionen auf eine Sendung ausfallen, hängt häufig mit konkreten Lebenssituationen der Hörer zusammen: "Man merkt an den E-Mails, dass die Themen, die auf persönliche Erfahrungen stoßen, eher zu Feedback einladen. Beim Thema, wo Jobs für Rentner herkommen sollen, hört man eher zu. Wenn es aber darum geht, dass Eltern zum Pflegefall werden, ist die Resonanz riesengroß."

Auch eine auf Hörerwunsch entstandene Sendung über Tiere als Begleiter des Lebens stieß auf überraschend große Resonanz: "Eine unheimlich schöne Sendung, wo von den Erfahrungen von Kindesbeinen an bis hin zu Demenzkranken mit besonders geschulten Tieren berichtet wurde." ("Tiere als Begleiter durchs Leben – Vom Kleinkind bis zum alten Menschen")

Der Redakteur des Deutschlandfunks beobachtet bei seinen Recherchen eine Veränderung von Altersbildern im gesellschaftlichen Bewusstsein: "Da tut sich was. Ich habe den Eindruck, dass die Frage, ob man mit 50plus noch leistungsfähig ist, sowohl in der Wissenschaft als auch in Unternehmen viel mehr Beachtung findet. Gerade in den Unternehmen wird, auch gezwungenermaßen, intensiv darüber nachgedacht, wie man Ältere länger im Betrieb halten kann." Beim Übergang vom Arbeits- ins Rentnerleben sieht Roehl allerdings noch viele ungelöste Probleme: "Wie kann man einen gleitenden Übergang hinbekommen? Wie können Menschen, die das möchten, länger im Berufsleben bleiben?"

Auch in Zukunft dürften interessante Aspekte des gesellschaftlichen Lebens, die die Sendung "Lebenszeit" aufgreifen kann, nicht schwer zu finden sein. "Wir stoßen immer wieder auf neue Themen", erzählt Roehl. "Das geht von Fragen, wie sich die Arbeit verändert, bis hin zu einem Trend zur Feuerbestattung oder einem Revival des Strickens."


Sendereihe "Lebenszeit"

Sendung "Ab 60 Seniorenteller. Stimmt unser Bild vom Alter noch?" – auf Grundlage der Arbeiten der Akademiengruppe Altern in Deutschland