Lebenslanges Lernen
Mehr Selbstvertrauen und Offenheit durch Praktika im Ausland

Von Miriam Buchmann-Alisch

Einige Wochen oder Monate beruflich im Ausland zu verbringen, verbessert nicht nur die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern ist für die meisten Menschen auch persönlich ein großer Gewinn. Förderprogramme der EU ermöglichen individuelle und projektbezogene Aufenthalte in einem europäischen Partnerland – darunter das „EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen“ mit dem Leonardo-Programm für Auszubildende, Fachkräfte und Ausbilder.

Lebenslanges Lernen gilt als ein zentraler Faktor im Hinblick auf die Bewältigung der technischen, wirtschaftlichen, demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen. „Ein wesentlicher Bestandteil des lebenslangen Lernens ist berufliche Bildung“, erläutert Ursula Staudinger, Vizepräsidentin der Leopoldina, die sich in der Akademiengruppe „Altern in Deutschland“ mit dem Schwerpunkt Lernen befasst hat. „Eine einmalige Ausbildung am Anfang des Lebens reicht nicht mehr aus, um ein ganzes Berufsleben erfolgreich zu gestalten.“

Bereits sehr früh in ihrem Lebenslauf, so ein Ergebnis der Akademiengruppe, erwerben Menschen die wesentlichen Voraussetzungen für lebenslanges Lernen. Insbesondere Auslandsaufenthalte fördern Mobilität und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, was dem Einzelnen in seinem gesamten weiteren Leben zugute kommt.

LEONARDO DA VINCI: Mobilität und Innovationen fördern

Das Leonardo da Vinci-Programm (LdV) hat zum Ziel, die transnationale Mobilität junger Menschen zu erhöhen und damit auch Innovationen für die berufliche Aus- und Weiterbildung hervorzubringen. Innerhalb des Programms absolvieren jährlich über 10.000 Berufsschüler und Auszubildende aus Deutschland Praktika in europäischen Nachbarländern. Noch sind das nur etwa zwei Prozent aller Auszubildenden in Deutschland. Im Vergleich zu 2005 hat sich die Zahl allerdings verdoppelt – Tendenz steigend.

„Es gibt aber auch eine ‚versteckte’ Mobilität, die wir nicht kennen. Es gehen ja auch firmenintern oder über Privatinitiativen junge Menschen ins Ausland. Wir werden versuchen, darüber in Zukunft mehr herauszufinden“, erklärt Gabriele Schneider, die Pressesprecherin der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Insgesamt haben sich über das Programm seit 1995 mehr als 100.000 Auszubildende, Berufsanfänger und Ausbilder aus Deutschland in den europäischen Nachbarländern weitergebildet. Ziel ist es, die Anzahl von Praxisaufenthalten in Betrieben und Berufsbildungseinrichtungen in anderen europäischen Ländern bis 2013 auf mindestens 80.000 pro Jahr zu erhöhen.

Interkulturelle Kompetenzen

Die Dauer der geförderten Auslandsaufenthalte liegt je nach Projekt zwischen drei Wochen und neun Monaten. „Die Teilnehmer kehren in der Regel selbstbewusster zurück. Da sie sich in bisher fremdem Umfeld bewegen, gewinnen sie interkulturelle Kompetenzen und natürlich mehr Sprachkompetenz. Gerade diese Softskills werden auf dem Arbeitsmarkt zunehmend abgefragt“, erläutert Schneider.

Auch die Akademiengruppe „Altern in Deutschland“ plädiert in ihren Empfehlungen dafür, dass das Lernen zu lehren an herausgehobener Stelle der Lehrziele stehen sollte – von der vorschulischen Bildung bis zur Berufsschule und den Universitäten. Dabei solle die Freude am Neuen stärker im Vordergrund stehen als die zu erbringende Leistung.

„europass Mobilität“ ein Plus im Lebenslauf

Das LdV-Programm ist inhaltlich offen. „Sehr stark genutzt wird es allerdings in Berufen, in denen Sprachkompetenz und Länderkenntnis eine große Rolle spielen, beispielsweise in der Logistik, in Speditionen, im Gaststättengewerbe und bei Fremdsprachenkorrespondenten“, berichtet LdV-Teamleiterin Sibilla Drews. „Zudem nutzen es viele Berufszweige, in denen handwerklich gearbeitet wird, in denen es also nicht primär auf eine perfekte Beherrschung der Sprache ankommt.“

Die sprachliche Vorbildung der Teilnehmer spielt bei der Auswahl der Zielländer durchaus eine Rolle. So ist insbesondere Großbritannien als Gastland beliebt, ebenso wie die skandinavischen Länder, in denen Englisch als Brückensprache überall geläufig ist. Neben Frankreich, Italien und Spanien kommen langsam auch osteuropäische Länder, insbesondere Polen, immer mehr in den Fokus der Betriebe und Ausbildungsstätten.

Europaweit einheitlich wird als Zertifikat der „europass Mobilität“ vergeben. „Unsere Evaluationen haben ergeben, dass dies ein Plus im Lebenslauf ist“, sagt Drews.

Positive Wirkung bei allen Teilnehmern

Knapp zwei Drittel der Teilnehmer am LdV-Programm sind Auszubildende und junge Berufsanfänger. 2007 ergab eine Wirkungsanalyse der Wirtschafts- und Sozialforschung (WSF) im Auftrag der Europäischen Kommission, dass sie ihre eigene wirtschaftliche Lage meist als gut oder zufriedenstellend bewerten. Ein nennenswerter Zusammenhang zwischen sozio-ökonomischem Hintergrund der Teilnehmer und ihren Erfolgen im LdV-Programm ließ sich nicht feststellen.

LdV-Teilnehmer, die sich in einer wirtschaftlich eher ungünstigen Lage befanden, waren dabei in den Projekten nahezu genauso erfolgreich wie die anderen. Im sozio-ökonomischen Kontext eine Ausnahme stellten einzig die Teilnehmer mit Migrationshintergrund (etwa jeder vierte) dar. Sie kamen häufig aus wohlhabenderen Familien als die Nicht-Migranten, das Bildungsniveau der Eltern war überdurchschnittlich. Laut Analyse schnitten sie auch überdurchschnittlich gut ab.

Die meisten Teilnehmer bestätigten, dass sich ihre persönlichen, sozialen und beruflichen Kompetenzen durch die Mobilität stark verbessert hätten. Je etwa 70 Prozent gaben an, dass sich ihr Auslandsaufenthalt positiv ausgewirkt habe auf ihre Anpassungsfähigkeit, ihre Fähigkeiten zur Interaktion mit anderen Menschen, das Wissen über das Gastland und die Fähigkeit, sich auf neue Herausforderungen einzustellen. Auch ihr Selbstvertrauen und das Verständnis fremder Kulturen hätten sich über das Praktikum verbessert.

Beruflicher Nutzen steigt mit Dauer des Auslandsaufenthalts

Weniger stark, aber immer noch beachtenswert, sind die Effekte im Bereich der beruflichen Fertigkeiten: Etwa jeder Zweite etwa erwarb mehr Kenntnisse in der Anwendung moderner Informations- und Kommunikationsmedien.

Den Nutzen für den Arbeitgeber schätzten die meisten Teilnehmer etwas geringer ein als den persönlichen. Allerdings zeigte sich, dass die Wirksamkeit in diesem Bereich mit der Dauer des Auslandsaufenthalts steigt – vor allem dann, wenn die Teilnehmer mehr als sechs Monate im Praktikum verbrachten. Mehr als ein Viertel besaß nach eigenen Angaben danach einen besseren Arbeitsplatz, bezog ein höheres Einkommen oder trug mehr Verantwortung im Beruf.

Insbesondere zeigte sich jedoch, dass die „weichen“ Qualifikationen, wie Eigeninitiative, Teamfähigkeit, kulturelle und persönliche Offenheit gegenüber Veränderungen, in den Praktika stiegen und längerfristig nachwirkten. Beispielsweise die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu interagieren: Bei vielen nahm sie in der Zeit nach dem Leonardo-Programm noch weiter zu.

Links:



Zur Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Zur Wirkungsstudie „Analyse der Wirkungen von LEONARDO DA VINCI Mobilitätsmaßnahmen auf junge Auszubildende, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Einfluss sozioökonomischer Faktoren“

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Cover Altern, Bildung und lebenslanges Lernen, Band 2Altern, Bildung und lebenslanges Lernen,
Band 2 der Reihe „Altern in Deutschland“
Hg. von Ursula M. Staudinger und Heike Heidemeier

 

 

 

 

Cover Gewonnene JahreGewonnene Jahre,
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Zum Jacobs Center for Lifelong Learning and Institutional Development an der Jacobs University