Maßgeschneiderte Arbeitszeitmodelle

Von Miriam Buchmann-Alisch

Wie bleiben Arbeitnehmer auch in höherem Alter gesund und arbeitsfähig? Das ist eine Frage, der sich angesichts des demographischen Wandels immer mehr Unternehmen annehmen. Zwei der Empfehlungen der Akademiengruppe „Altern in Deutschland“ lauten, die Arbeitszeiten von Senioren adäquat zu gestalten und Lebensarbeitszeitkonten einzurichten. Auch die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse des Forschungsprojekts Kronos am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bestätigen die Wirksamkeit solcher Umgestaltungen.

Die Forscher untersuchten, welche Arbeitszeitmodelle dem Prozess des Älterwerdens am besten gerecht werden. „Der Erfolg solcher Modelle hängt wesentlich davon ab, ob die Unternehmen es ihren Mitarbeitern ermöglichen, selbst an der Gestaltung ihrer Arbeitszeit mitzuwirken und ob sie ihre Maßnahmen in eine betriebliche Gesamtstrategie im Hinblick auf den demographischen Wandel einbinden“, erklärt Kronos-Projektleiter Peter Knauth, Professor am Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP). Als empfehlenswert erwiesen sich insbesondere Schichtpläne mit schneller Vorwärtsrotation und maßgeschneiderte Langzeitkonten, deren Guthaben sich nach den Bedürfnissen der Arbeitnehmer einsetzen lässt.

In fünf Unternehmen aus den Branchen Automobil-, Stahl-, Chemie- und Pharmaindustrie führten die Wissenschaftler alternsgerechte Arbeitszeitmodelle ein und evaluierten sie. In einem Unternehmen der Pharmaindustrie richteten sie beispielsweise Langzeitkonten ein. Denkbar sind dabei mehrwöchige oder mehrmonatige Auszeiten im Lauf des Arbeitslebens, etwa aus familiären Gründen. „Viele Unternehmen sehen dies vorrangig als eine Möglichkeit für spätere Altersteilzeit. Wir meinen aber, dass es viel wichtiger ist, Sabbaticals einzurichten, die aus dem Langzeitkonto gespeist werden“, erläutert Knauth. „Manchmal nützt es bereits, dass mit einem kurzen Ausstieg ein Belastungswechsel stattfindet.“
Auch Wahlarbeitszeitmodelle kamen zum Einsatz, auf deren Grundlage Arbeitnehmer zwischen verschiedenen Wochen- oder Jahresarbeitszeiten wechseln können. Dies wurde gern angenommen.

arbeitszeitmodelle

Alternsgerechte Arbeitszeitmodelle tragen dazu bei, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit zu erhalten.

Da Gesundheit und Arbeitsfähigkeit individuell stark verschieden sind, scheint eine generelle Verkürzung der täglichen Arbeitszeit älterer Arbeitnehmer nicht sinnvoll zu sein. „Allerdings müssen Ältere mehr Pausen haben“, erklärt Knauth. Eine Untersuchung von Pausen in der Stahlindustrie ergab: „Viele Kurzpausen sind generell besser als wenige lange Pausen. Außerdem ist bei Mitarbeitern über 40 Jahre der Erholungswert in einer Pause schon signifikant geringer.“

Knauth weist darauf hin, dass trotz neuerer Erkenntnisse in vielen Unternehmen traditionelle Schichtpläne noch immer die Regel sind. Gegenüber traditionellen, wöchentlich und rückwärts rotierenden Schichtplänen wirken sich laut Kronos Schichtpläne mit schneller Vorwärtsrotation wesentlich günstiger auf die Arbeitsfähigkeit aus. Verträglicher für die Gesundheit ist die Abfolge Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht. Das gilt nicht nur für ältere Mitarbeiter. „Am kritischsten ist die Nachtschicht“, erklärt Knauth. „Es ist sinnvoll, die Anzahl der Nachtschichten pro Person und Jahr zu verringern. Das lässt sich machen, indem man Tätigkeiten aus der Nachtschicht in Früh- und Spätschichten verschiebt.“

Auch ein Arbeitsbeginn nicht vor 6:00 Uhr wirkt sich in der Regel für Arbeitnehmer und Unternehmen positiv aus. Die Studien ergaben, dass Arbeitnehmer, deren Frühschicht bereits um 5:20 Uhr begann, gleich zu Beginn ebenso müde waren wie gegen Ende der Nachtschicht. Das führen die Wissenschaftler auf so genannte Schlaftore zurück. „Schlafforscher haben herausgefunden, dass jeder Mensch ein Schlaftor hat. Das heißt, eine bestimmte Uhrzeit, nach der er leichter einschläft“, erklärt Knauth. „Wenn ich mich vor meinem eigenen Schlaftor hinlege, habe ich größere Schwierigkeiten einzuschlafen. Das wirkt sich am nächsten Tag auf Müdigkeit und Reaktionszeit aus.“

Ebenso wie die Akademiengruppe „Altern in Deutschland“ sieht Knauth eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe darin, dass sich Altersbilder verändern und ein Umdenken im Hinblick auf den demographischen Wandel einsetzt. „Um Veränderungen in den Unternehmen zu bewirken, kommt es stark darauf, wie Führungskräfte damit umgehen“, sagt Knauth. „Es muss noch viel getan werden, damit deren Einstellungen sich ändern.“

Bei der Studie „Lebensarbeitszeitmodelle – Chancen und Risiken für das Unternehmen und die Mitarbeiter“ handelt es sich um ein Teilprojekt des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Schwerpunktprogramms „Altersdifferenzierte Arbeitssysteme“.

Foto: Gabi Zachmann

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