Internationaler Arbeitgeberpreis für altersgerechte Personalpolitik:
Geht doch!

von Carola Kleinschmidt

Die AARP (American Association of Retired Persons), mit 40 Millionen Mitgliedern der größte Seniorenverband der Welt, hat 15 Unternehmen mit dem "International Innovative Employer Award" prämiert – darunter sieben Unternehmen aus Deutschland. Die Preisträger zeichnen sich durch eine innovative Personalarbeit und den zukunftsweisenden Umgang mit der alternden Belegschaft aus. Durch die Kooperation von AARP und der deutschen Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO), des Instituts für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund und des Demographie Netzwerkes e.V. (ddn) hatten sich auch viele deutsche Unternehmen um den Preis beworben – und erstaunlich gut abgeschnitten. "Die innovative Beschäftigungspolitik unserer Gewinner zeigt, wie gute Praxis aussehen kann, um erfahrene Mitarbeiter zu halten und wie sie letztlich zu einem Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen heute und in Zukunft werden können", erklärt AARP-Vizepräsident John Rother.

Bewerben konnten sich Unternehmen, die ihren Hauptsitz nicht in den USA haben. Bei der Auswahl der Gewinner spielten mehrere Faktoren eine Rolle, so z.B. die Einstellungspolitik, die Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen und zur Weiterbildung, die Personalentwicklung, die Arbeitsplatzgestaltung, flexible Arbeitszeitmodelle wie ein gleitender Übergang in den Ruhestand sowie Maßnahmen, die auf die finanzielle Absicherung im Alter und Gesundheitsförderung zielen.

Zu AARP

 

Die PreistrÄger:


Bundesagentur für Arbeit
Öffentliche Einrichtung, 86700 Beschäftigte; 35% 50+
500 flexible Arbeitsplätze, Arbeitszeitkonten, die es Mitarbeitern ermöglichen, sich Freiräume für die Pflege älterer Verwandter zu schaffen oder einen gleitenden Übergang in den Ruhestand zu gestalten. Die BA engagiert außerdem regelmäßig ihre Mitarbeiter mit besonderen Fähigkeiten, die bereits im Rentenalter sind, für zeitlich begrenzte Projekte. Umfangreiche Gesundheitsförderung.

Galeria Kaufhof GmbH
Einzelhandel, 23296 Beschäftigte; 35% 50+
Spezielle Programme rund um Lernen und Training für ältere Mitarbeiter. Darunter auch "Fit for Future", ein individuelles Training "on the job", das sich speziell an Ältere richtet, und Qualifikation, Arbeitsfähigkeit und Selbstwert der älteren Beschäftigten unterstützt. Spezielle Gesundheitstage 55+, spezielle Position im Unternehmen "Demography Officer" wurde geschaffen, der die Information der Geschäftsleitung über Fragen und Analyse des demografischen Wandels sicherstellt.

Hansgrohe AG
Sanitärprodukte 1786 Beschäftigte; 15% 50+
Motivationsprogramm für die Belegschaft 50+ (MUMM), viele Angebote speziell für ältere Mitarbeiter, vom Computertraining über Gesundheitsförderung bis zu flexiblen Arbeitszeiten. Aktive Gestaltung von Arbeitsplätzen in Hinblick auf ältere Beschäftigte, umfangreiche Gesundheisförderung.

Henkel AG & Co. KGaA
Konsumgüter, 43400 Beschäftigte; 17% 50+
Viele flexible Arbeitsplatz-Angebote, Fünf-Jahres-Teilzeitmöglichkeit für den langsamen Ausstieg aus Betrieb und Einstieg ins Rentenalter, individuelle Sabbatical-Möglichkeiten, aktiver Wissenstransfer zwischen Jung und Alt (Roundtable-Diskussionen, Datenbanken), umfangreiche Gesundheitsförderung.

SICK AG
Sensortechnologie, 1852 Beschäftigte; 19% 50+
Ältere Sick-AG-Mitarbeiter betreuen als Mentoren jüngere Beschäftigte, auch nach Berentung hält die Firma Kontakt zu ihren Mitarbeitern und bindet sie aktiv ein, umfangreiche Gesundheitsförderung – auch speziell zur Frage, wie "gutes Älterwerden am Arbeitsplatz" gelingen kann. Arbeitszeitkonten, die in Auszeiten oder Pensionsansprüche umgewandelt werden können.

Deutsche Lufthansa AG
Luftfahrt, 117521 Beschäftigte; 15% 50+
Viele flexible Arbeitszeitmodelle (Job-Sharing, Teilzeit, Telearbeit etc.), Familienservice hilft in Belastungssituationen wie Pflege etc., breite Palette an Lernangeboten, umfangreiche Gesundheitsförderung. Engagement in Forschungsprojekten zum demografischen Wandel in der Arbeitswelt.

Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH
Gesundheitswesen, 789 Beschäftigte; 34% 50+
"Wir sind alt – na und?", ist das Motto der Sozial-Holding, angesichts einer Belegschaft, in der 34 Prozent der Beschäftigten über 50 Jahre alt sind. Viele individuelle Arbeitszeitmodelle (vor allem für Beschäftigte, die sich neben Beruf um Pflege von Angehörigen kümmern), viele Angebote, die sich speziell an Ältere wenden, z.B. Gedächtnistraining, Seminare zum Übergang in die Rente etc. Spezielle Qualifikationsangebote für Beschäftigte mit niedrigem Ausbildungsstand.

Der Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen eV. wird zudem für die wegweisende Umsetzung demografiesensibler Themen in seinen Mitgliedsunternehmen geehrt.

 

"In Zukunft wird es vor allem darum gehen, die Fähigkeiten und Talente aller Generation besser auszuschöpfen."

 

Im Gespräch: Professor Dr. Uschi Backes-Gellner vom Institut für Strategie und Unternehmensökonomik der Universität Zürich, Mitglied der Akademiengruppe "Altern in Deutschland".

Kann man tatsächlich sagen, dass Firmen, die ihre ältere Belegschaft schätzen und fördern besser für Krisenzeiten gewappnet sind?

Backes-Gellner: Unternehmen, die sich auch um ihre ältere Belegschaft kümmern, haben sicher eine nachhaltigere Personalpolitik, da sie länger auf das wertvolle Humankapital ihrer langjährigen Mitarbeiter zurückgreifen können. Insbesondere dann, wenn immer weniger jüngere Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt drängen und daraus resultierend qualifizierte Fachkräfte immer knapper werden, werden diese Unternehmen ihre Vorteile ausspielen können.

Demografie-gerechte Personalpolitik wird häufig so verstanden, dass Unternehmen spezielle Personalmaßnahmen für die älteren Beschäftigten entwickeln. Ist dieser Ansatz ausreichend, um dem demografischen Wandel in der Arbeitswelt angemessen zu begegnen?

Backes-Gellner: In Zukunft wird es vor allem darum gehen müssen, durch eine optimale Kombination von älteren und jüngeren Arbeitskräften die Fähigkeiten und Talente aller Generation besser auszuschöpfen. Mit Schonarbeitsplätzen für ältere Arbeitnehmer wird es sicher nicht getan sein in Zukunft, das wäre zu kurz gedacht.

Hat ein Preis wie der "International Innovative Employer Award" der AARP Ihrer Erfahrung nach - auch eine gewisse Signalwirkung für andere Unternehmen?

Backes-Gellner: Das würde ich hoffen, denn das Problem knapper Fachkräfte wird sich für alle Unternehmen früher oder später zu einem akuten Wachstumshemmnis entwickeln, so dass alle Unternehmen gut daran täten, dem Problem schon jetzt vorzubeugen durch eine nachhaltigere Nutzung des bestehenden Potentials an Arbeitskräften.