Altern zu Hause - neue Wege: Teil 2 Die Profis

Neue professionelle Dienstleister: Senioren-Assistenten © Michael Dicke, Hamburg

Senioren-Assistenten

Professionelle Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben bietet die neue Dienstleistung „Senioren-Assistenz“, die von Ute Büchmann konzipiert wurde. Derzeit ist diese Weiterbildung einzigartig in Deutschland. Der Teilnehmerkreis, bislang zu 90 Prozent Frauen, wird in fünf Modulen mit insgesamt 120 Stunden darin geschult, alte Menschen zu unterstützen, die noch zu fit sind, um als pflegebedürftig zu gelten, aber nicht mehr rüstig genug, um ihren Alltag alleine zu meistern.

„Senioren-Assistenten erledigen all das, was nicht zur pflegerischen Betreuung zählt“, erklärt Büchmann. Die Assistenten bieten ein paar Stunden pro Woche punktuelle Unterstützung, indem sie die Senioren auf Behördengängen, zu Arztterminen, beim Einkaufen oder auf den Friedhof begleiten, mit ihnen ihr Gedächtnis und ihre Fitness trainieren oder ganz einfach ein Gesprächspartner sind. Rund 500 Senioren-Assistenten hat Ute Büchmann bislang ausgebildet. Jährlich finden rund zehn Seminare an den Standorten Kiel, Hamburg, Berlin und Stuttgart statt.

Die Idee zu diesem innovativen Ausbildungszweig hat mit Büchmanns eigener Lebenserfahrung zu tun. „Als meine Mutter starb, fiel mein Vater in ein tiefes Loch. Ich habe daraufhin nach einer qualifizierten Person gesucht, die ihn regelmäßig besucht und sich mit ihm über Politik und Sport unterhält.“ Aber sie fand niemanden, der diese Tätigkeit qualifiziert ausübte. Mit ihrem 2007 gegründeten Weiterbildungsunternehmen möchte sie mehr Lebensqualität für Senioren ermöglichen. „Senioren egal welchen Alters wollen Zukunft haben, eine Lebensqualität, die über ‚satt und sauber’ hinausgeht“, sagt die Seminaranbieterin.

Das nötige Know-how erhalten die Teilnehmer in verschiedenen Modulen. So erwerben sie Grundwissen auch in rechtlichen Fragen, beispielsweise, worauf die Verfasser bei einer Patientenverfügung oder bei ihrem Testament achten sollten. Ebenso spielen psychologische Aspekte eine Rolle, wie der Umgang mit Verlust und Trauer. Zudem gehören alltagspraktische Fragen der Ernährung, der Freizeitgestaltung, der körperlichen und geistigen Fitness zum Programm. Zugleich vermittelt die Weiterbildung das nötige Know-how, um ein eigenes Unternehmen zu gründen – denn nach der Ausbildung sind die Teilnehmer in der Regel selbstständig tätig. Nach Abschluss können sie sich dem bundesweiten Netzwerk der Senioren-Assistenten anschließen.

„Das Wohnen im eigenen Zuhause unter Nutzung der Dienstleistung Senioren-Assistenz ist nicht teurer als das Wohnen in einer Einrichtung“, erklärt Büchmann. Inklusive staatlicher Förderung (§ 35a EStG) koste die Betreuung durch einen Senioren-Assistenten bei fünf Stunden pro Woche zwischen 330 und 430 Euro monatlich.

„Diese neue Dienstleistung nutzt allen“, sagt Büchmann. „Senioren erhalten ein Mehr an Lebensqualität, Angehörige werden entlastet und Senioren-Assistenten erhalten eine sinnvolle berufliche Perspektive auf dem Arbeitsmarkt.“

Miriam Buchmann-Alisch

Links:

http://www.senioren-assistentin.de
http://www.die-senioren-assistenten.de

Lesen Sie auch:
Altern zuhause – Neue Wege (Teil 1: Modellprojekt „Aufsuchende Altenarbeit“)
Altern zuhause – Neue Wege (Teil 3: Anwohnerinitiative „Ritas Nachbarn“)

 

Drittes und Viertes Lebensalter

Beschreibt die Altersgruppen etwa von 65 bis 80/85 Jahren bzw. der Über-80- bzw. 85-Jährigen, auch Hochaltrige genannt. Begriff orientiert sich an den parallel lebenden Generationen (erstes Lebensalter: abhängige Phase der Kindheit und Jugend; zweites Lebensalter: junge und mittlere Erwachsene). Die steigende Lebenserwartung ist heute vor allem auf Zuwächse in diesen  höheren Altersgruppen zurückzuführen. Anders war das vor 100 Jahren: damals verbesserten sich die Überlebenschancen vor allem der Neugeborenen, Kinder und Jugendlichen. 

Unterschiede nehmen zu

Die Unterschiede in körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit Gleichaltriger nehmen immer mehr zu, je älter die Menschen werden. Auch im höheren Alter können außerordentliche Leistungen möglich sein. Nachweislich können entsprechend trainierte 60-70-Jährige Ausdauerläufer bessere Zeiten erzielen als weniger trainierte 20- bis 50-jährige Läufer; auch die kognitiven Leistungen Menschen höheren Alters können deutlich über denen 30-Jähriger liegen.