„Silver Clips“ gewinnt Crowdfunding-Wettbewerb im Wissenschaftsjahr „Die demografische Chance“

Wie sollten zielgruppen-gerechte Ansprachen mit altersgerechten Rollenvorbildern gestaltet werden, um Senioren mehr Lust auf Technik zu machen? Dieser Frage widmet sich mit Crowdfunding-finanzierten Videoclips das Projekt „Silver Clips“ der Hochschule Harz, das Anfang Dezember den Sciencestarter-Wettbewerb der Initiative Wissenschaft im Dialog gewann.

Das kleine Projekt „Silver Clips“ der Hochschule Harz in Halberstadt hat mit derzeit 26 Unterstützern die angestrebte Finanzierung in Höhe von 3.500 Euro erreicht. Auf dieser Grundlage und mit dem Preisgeld von 1.000 Euro möchte das Projekt untersuchen, wie Rollenvorbilder idealerweise in Szene gesetzt werden sollten, damit ältere Menschen technische Geräte wie Tablets oder Mobiltelefone mit Gewinn für die eigene Lebensqualität nutzen. „Hierfür wollen wir eine Reihe von kurzen Videoclips produzieren, in denen mal humoristisch, mal ernsthaft Gelegenheiten gezeigt werden, in denen man Technik sinnvoll anwenden kann“, erklärt Thomas Schatz, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Verwaltungswissenschaften und Mitinitiator des Projekts „Silver Clips“.

Die Videoclips werden dann einer Zufallsauswahl von Senioren des in Halberstadt ansässigen Vereins „Freunde fürs Leben“ vorgeführt. Durch eine anschließende moderierte Gruppendiskussion soll die Reaktion der Senioren auf die Clips ermittelt werden. Im Vorfeld werden soziodemografische Merkmale der Teilnehmer wie Altersstufe, Geschlecht, Bildungsabschluss oder Level der Technikaffinität erhoben. Dadurch soll analysiert werden, ob Ausprägungen in der technikorientierten Argumentation und in der Diskussion über die Darstellung der Rollenvorbilder mit Ausprägungen in soziodemografischen Merkmalen korrelieren. Hiervon versprechen sich die Wissenschaftler einen Ansatz zur Typenbildung von Technikakzeptanz im Alter, die ein wesentlicher Schritt zu einer adäquaten Zielgruppenansprache sein könnte.

Sowohl die Forschungsergebnisse als auch die produzierten Videoclips werden über das Internet frei zur Verfügung gestellt, so dass sie beispielsweise auch von Beratungsstellen, Wissensvermittlern oder Vereinen genutzt werden können.

Gegenüber üblicher Forschungsfinanzierung geht es beim Prinzip des Crowdfundings darum, dass viele Einzelpersonen durch kleine Geldbeträge die Finanzierung eines Projektes ermöglichen. „Dies ist also eine Art internetbasierte Schwarmfinanzierung“, sagt Projektleiter Thorsten Witt der Initiative Wissenschaft im Dialog welche die Plattform Sciencestarter 2012 ins Leben gerufen hat. „Wer ein Projekt aus dem Bereich Wissenschaft, Forschung oder Wissenschaftskommunikation realisieren möchte, dazu aber Geld benötigt, kann seine Projektidee kostenlos auf der Crowdfunding-Plattform Sciencestarter von WiD einstellen.“ Im ersten Jahr von Sciencestarter konnte mehr als die Hälfte aller eingereichten Projekte erfolgreich finanziert werden.

Die Wissenschaftler beschreiben auf der Internetplattform kurz sich selbst und ihre Projektidee, legen ein Budget und einen Zeitrahmen fest und können anschließend mit dem Crowdfunding beginnen. „Damit ein Projekt erfolgreich finanziert wird, muss man vor allem möglichst viele Menschen auf das Projekt aufmerksam machen und dafür interessieren. Genau das ist unsere Motivation, diese Plattform zu betreiben, nämlich die Wissenschaftskommunikation, die darauf stattfindet“, erläutert Witt. „Sciencestarter bietet eine neue Möglichkeit, sich und die eigene Forschung zu präsentieren und mit der Öffentlichkeit in einen echten Dialog auf Augenhöhe zu treten – und im Erfolgsfall nicht nur vom Dialog mit der Öffentlichkeit zu profitieren, sondern auch noch Geld für die eigene Forschung zu sammeln.“

Alle auf Sciencestarter veröffentlichten Projekte werden von Wissenschaft im Dialog auf die Einhaltung der Richtlinien überprüft, um die Einhaltung wissenschaftlicher Standards und Methoden zu gewährleisten. Pseudo-wissenschaftliche Projekte werden von der Plattform ausgeschlossen. Im Zweifelsfall wird ein wissenschaftlicher Beirat hinzugezogen, der aus Vertretern verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und Forschungseinrichtungen besteht. Bei den Projekteinreichungen für den Wettbewerb zum „Wissenschaftsjahr 2013 – Die Demografische Chance“ war dies aber nicht nötig.

„Was die eingereichten Projekte angeht, sind wir sehr zufrieden mit dem Wettbewerb“, sagt Witt. „Die Themen reichen von der Erforschung von Nachkriegskindern in Deutschland über Videofilme, die Ältere für Technik interessieren sollen, bis hin zur Entwicklung eines Brettspiels, welches die Auswirkungen des demografischen Wandels spielerisch vermitteln soll.“

Miriam Buchmann-Alisch

Weiterführende Informationen:
http://www.sciencestarter.de/
http://www.sciencestarter.de/silverclips
http://www.wissenschaft-im-dialog.de

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