„Japan hat uns wichtige Impulse gegeben“

Er ist eine treibende Kraft im deutsch-japanischen Austausch und auch das Symposium geht auf seine Initiative zurück: Ein Gespräch mit Matthias von Schwanenflügel vom Bundesfamilienministerium über neue Ideen für den demografischen Wandel.

Herr Dr. von Schwanenflügel, was verspricht sich Ihr Ministerium von dem Gedankenaustausch mit japanischen Wissenschaftlern und Politikern?

Vor allem Anregungen für das eigene politische Handeln. Japan und Deutschland müssen ja früher als andere Länder auf den demografischen Wandel reagieren und Lösungen finden. Einige japanische Ideen haben hierzulande bereits gefruchtet.

Welche Ideen sind das?

Bei der Pflegeversicherung kamen wichtige Impulse aus Japan. Das Land hat zum Beispiel sehr ausgeklügelte Formen des Case Managements entwickelt, von bedarfsgerechten Hilfeleistungen im Einzelfall. Ein Vorbild für uns sind auch bestimmte Einrichtungen in japanischen Gemeinden, sogenannte Community Based Integrated Care Centers. Dort werden ältere Menschen gepflegt, ärztlich betreut und beschäftigt, wobei auch jüngere Alte sich um Hochbetagte kümmern. Von solchen Ideen profitieren etwa die Pflegestützpunkte der Pflegeversicherung. In diesem Kontext ist auch die Demografiewerkstatt Kommune entstanden, die mein Ministerium eingerichtet hat. Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden wir mindestens sieben deutsche Gemeinden bei der Gestaltung des demografischen Wandels unterstützen.

Um welche Kommunen handelt es sich?

Der Auswahlprozess läuft noch. Wir werden die Namen in wenigen Wochen bekanntgegeben.

Worin unterscheiden sich Deutschland und Japan im Umgang mit dem demografischen Wandel?Zuwendungsroboter: Pflegerobbe Paro

Zum Beispiel bei der Akzeptanz technischer Lösungen. Japaner sind zum Beispiel eher bereit, Pflegeroboter zu nutzen – vielleicht auch, weil sie insgesamt technikbegeisterter als Deutsche sind. Die Einwanderung von Arbeitskräften kommt für Japan als Lösungsmöglichkeit überhaupt nicht in Frage. Das mag mit der geografischen Lage als Insel zusammenhängen. Die japanischen Frauen werden jetzt als Arbeitskräfte umworben, weil man sie unbedingt braucht – von einer Frauenquote in Führungspositionen hält man jedoch nichts.

Wie geht es weiter mit der Zusammenarbeit?

Geplant ist ein jährlicher Austausch zwischen meinem Ministerium und dem Fachministerium auf japanischer Seite, begleitet von Wissenschaftlern und Praktikern beider Länder. Japan und Deutschland sind Pioniere des demografischen Wandels und zusammen können wir Lösungen entwickeln, die weltweit von Interesse sind.  

Interview: Lilo Berg

Foto: Amber Case 2012 via flickr https://flic.kr/p/cgUDt9                           technabob.com/blog/2011/08/05/paro-robot-seal-helps-elderly/

Dr. Matthias von Schwanenflügel ist Leiter der Abteilung „Demografischer Wandel, Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seit knapp zehn Jahren engagiert er sich für den deutsch-japanischen Austausch; er hat an mehreren ministeriellen Delegationsreisen teilgenommen und Fachkonferenzen initiiert.