Über Uns

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften hat seit mehreren Jahren einen ihrer thematischen Schwerpunkte auf den demografischen Wandel gelegt. Gemeinsam mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) berief sie die Akademiengruppe „Altern in Deutschland“. Sie wurde von der in Zürich ansässigen Jacobs Foundation für eine Dauer von drei Jahren (2006 - 2008) finanziell gefördert. Ihre Aufgabe war es, Chancen und Probleme einer alternden Gesellschaft zu untersuchen. Der Fokus richtete sich auf die Welt der Arbeit und des lebenslangen Lernens.

Neben den Risiken und Chancen des Alterns stellen sich durch die Fertilitätsentwicklung in mittel- und westeuropäischen Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz vielfältige drängende Fragen, auf die die Politik und die Gesellschaft Antworten suchen. Von 2009-12 beriet sich dazu die von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Leopoldina berufene interdisziplinäre Akademiengruppe „Zukunft mit Kindern“, ebenfalls von der Jacobs Foundation gefördert.

Zur "Frühkindlichen Sozialisation" (2014) hat sich eine Arbeitsgruppe aus biologischer, psychologischer, linguistischer, soziologischer und ökonomischer Perspektive mit dem Potenzial der intellektuellen und sozialen Leistungsfähigkeit eines Menschen auseinandergesetzt. Es kann nur durch die Verfügbarkeit optimaler Lernumwelten während der gesamten Entwicklung, die sich von der Geburt bis zum Tod erstreckt, ausgeschöpft werden. Zur gezielten funktionsorientierten Frühförderung von Kindern (insbesondere von solchen mit Migrationshintergrund oder aus sozioökonomisch schwachen Gesellschaftsbereichen) erarbeitete die Arbeitsgruppe evidenzbasierte Maßnahmen, die eine bessere Integration und das optimale Ausschöpfen der in der Gesellschaft vorhandenen Potenziale ermöglichen sollen.

In 2015 haben die Akademien eine Stellungnahme zur medizinischen Versorgung alter Menschen veröffentlicht. Betagte und hochbetagte Menschen leiden häufig an mehreren Krankheitsbildern zugleich. Für diese sogenannte Multimorbidität benötigt die Medizin geeignete Diagnostik- und Therapiemethoden, und die Zahl multimorbider Patienten wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen. Die gegenwärtig vorhandenen Methoden, Strukturen und Leitlinien werden den Bedürfnissen dieser Patientengruppe allerdings nur ungenügend gerecht.

Der hohe Standard, der in der Medizin sowohl in der Versorgung als auch in der Erforschung von Erkrankungen und der Entwicklung von Therapien gilt, ist typischerweise auf Patientinnen und Patienten mittleren Alters mit einer einzelnen Erkrankung ausgerichtet. Entsprechend wird häufig Wissen, das an Menschen im mittleren Alter gewonnen wird, auf alte Patientinnen und Patienten übertragen – obwohl diese sich körperlich und geistig, in ihren medizinischen Versorgungsprioritäten und Lebensumständen von Jüngeren unterscheiden. Dies ist keine gute wissenschaftliche Praxis und führt oftmals nicht nur zu einer unangemessenen Versorgung, sondern gefährdet alte Menschen mitunter. Die Akademien fordern daher u.a., dass externe Evidenz, wie multimorbide alte bis sehr alte Menschen besser zu behandeln wären und Leitlinien, die auf die aktuellen Wissenslücken und Gefahren hinweisen, produziert werden.

Die Leopoldina nimmt als Nationale Akademie der Wissenschaften Deutschlands mit ihren rund 1500 Mitgliedern zu den wissenschaftlichen Grundlagen politischer und gesellschaftlicher Fragen unabhängig und öffentlich Stellung. Mit dieser Webseite stellt die Leopoldina entsprechend diesem Auftrag ausgewählte wissenschaftsbasierte Informationen zu Altern und menschlicher Entwicklung zur Verfügung.