Älteren fällt Lesen auf Tablets leichter

Das Lesen elektronischer Artikel und Bücher ist für das Gehirn nicht anstrengender als das Lesen auf Papier. Im Gegenteil: Älteren Menschen fällt das Lesen auf einem Tablet sogar leichter. Das fanden Wissenschaftler aus Mainz, Göttingen und Marburg heraus.

Die 56 Testpersonen, die an der Studie teilnahmen, gaben zu Beginn an, dass sie das Lesen auf Papier angenehmer und auch einfacher fänden. Doch die Analyse von Augenbewegungen und Gehirnströmen innerhalb der Studie konnte diese Einschätzung, die von jungen wie von älteren Probanden gleichermaßen geäußert wurde, nicht bestätigen.

Für die Untersuchung ließen die Forscher Menschen im Alter zwischen 21 und 77 Jahren Texte auf verschiedenen Medien lesen. Dabei zeichneten sie Augenbewegungen und Gehirnaktivität auf. Sie kontrollierten unter anderem, wie viel Zeit die Leser benötigten, um die Wörter mit den Augen zu fixieren.

Das Ergebnis: Für jüngere Testpersonen im Alter von 21 bis 34 Jahren spielte das Medium kaum eine Rolle. Für die Senioren im Alter von 60 bis 77 Jahren hingegen war das Lesen mit dem Tablet aus neuronaler Sicht weniger anstrengend. Die Testpersonen zeigten höhere Lesegeschwindigkeiten und geringere Gehirnaktivität beim Lesen am Tablet-Computer, nicht nur im Vergleich zum gedruckten Buch, sondern auch zu einem E-Ink-Reader.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der Vorteil der Tablet-Lektüre an den beleuchteten und kontrastreicheren Buchstaben liegt. Dies hilft bei der Buchstaben- und Worterkennung und wirkt sich bis in die höchsten Sprachverarbeitungsebenen aus. Doch egal ob Jung oder Alt, das Textverständnis war in beiden Gruppen für alle drei Lesemedien gleich gut.© Stiftung Digitale Chancen

„Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass man auf digitalen Endgeräten schlechter liest oder das Gelesene schlechter behält“, resümiert Dr. Franziska Kretzschmar vom Department of English and Linguistics der JGU. „Unsere Studie hat gezeigt, dass ältere Menschen tatsächlich besser von einem Tablet lesen, insbesondere weil die visuellen Kontraste größer sind.“

Die Ergebnisse zeigen somit auch, dass die subjektive Beurteilung digitaler Lesemedien nicht mit den tatsächlichen kognitiven und neuronalen Anstrengungen bei der Informationsverarbeitung übereinstimmt. Veröffentlicht wurde die Studie im Online-Fachjournal „PLOS ONE“.

 

Miriam Buchmann-Alisch

 

Weiterführende Informationen:

Studie „Subjective Impressions Do Not Mirror Online Reading Effort: Concurrent EEG-Eyetracking Evidence from the Reading of Books and Digital Media“ auf PLOS ONE HIER

Pressemitteilung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz